Handschriftenbeschreibung von Robert Schöller

Signatur:

Schwerin, Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern, ohne Signatur

Autor oder Sachtitel:

Sammelhandschrift: Wirnt von Grafenberg: ›Wigalois‹ (1ra–68va) [Anfang fehlt, Beginn mit v. 1861]. Wolfram von Eschenbach: ›Parzival‹ (69ra–206vb; bis 803,7).

Beschreibstoff:

Papier.

Blattzahl:

206 Bl.

Format des Buchblocks:

30 x 21 cm.

Entstehungsort:

Nördliches Mitteldeutschland (Bonath II, S. 245); mitteldeutsch (Martin, Schirok); niederdeutsch (Lisch).

Entstehungszeit:

Um 1435–1440 (Schirok 1982, S. 40).

Beschreibstoff (differenziertere Angabe):

Für den ›Wigalois‹ (Bl. 1–68) wurde etwas dünneres und daher auch stärker beschädigtes Papier verwendet als für den ›Parzival‹ (Bl. 69–206).

Wasserzeichen:

(Hier auf die Archivbeschreibung zurückgreifen)

Lagen:

›Wigalois‹: Erste Lage fehlt. VI–57 + VII–120 + 4VI68.

›Parzival‹: VII+182 + 3VII124 + VII–1137 + VII151 + VIII–1166 + VIII182 + X202 + 4206

Schriftraum:

22 x 13 cm (›Wigalois‹); 24 x 16 cm (›Parzival‹).

Spaltenzahl:

2.

Zeilenzahl:

32–34 (›Wigalois‹); 37–49 (›Parzival‹).

Schrift und Zugehöriges:

Gotische Kursive des 15. Jhs. (Crain) Zwei Schreiber: Erste Hand: ›Wigalois‹; Zweite Hand: ›Parzival‹. Die Schrift im ›Parzival‹ erscheint zunächst kleiner und gedrängter, gegen Ende zu jedoch voluminöser. Der Text ist durchgehend geschrieben, ohne – mit Ausnahme einiger weniger Satzpunkte – Interpunktionszeichen. Im ›Parzival‹ gibt es so gut wie keine Rasuren, Korrekturen wurden zumeist in Form von Durchstreichungen durchgeführt. Verwendet wurde dunkle schwarze und (ab B. 197va) hellere braune Tinte Auf Bl. 170rb befindet sich von anderer Hand in hellbrauner Tinte neben dem letzten Vers der Vermerk: m[zw]#;e[/zw]i[zw]n[/zw] din#.st. Diese Hand dürfte mit jener des Lagenbezeichners identisch sein.

Überschriften:

Im ›Wigalois‹ finden sich häufig Überschriften in roter Tinte, auf die regelmäßig eine rote Lombarde folgt. Der ›Parzival‹ weist keine Überschriften auf.

Rubrizierung:

Rubriziert.

Anfangsbuchstaben:

Im ›Wigalois‹ und im ›Parzival‹ werden durchgehend zweizeilige, rote Lombarden verwendet. Die neben den Lombarden stehenden Zeilen sind im ›Wigalois‹ regelmäßig rot unterstrichen. Im ›Wigalois‹ zu Beginn der Spalten häufig Hervorhebung einzelner Buchstaben der ersten Zeile durch rote Strichelung und Verlängerung der Schäfte. Im ›Parzival‹ werden die Anfangsbuchstaben zu Beginn jeder Spalte weitgehend regelmäßig als Cadellen mit rotverzierten Fadenranken wiedergegeben; zusätzlich (teilweise) Hervorhebung einzelner Buchstaben der ersten Zeile durch rote Strichelung und Verlängerung der Bögen.

Initialen:

Der Beginn des ›Parzival‹ auf Bl. 69r wird mit einer in etwa sechszeiligen, mit unauffälligen Fadenranken verzierten roten Initiale angezeigt. In seltenen Fällen werden die üblichen zweizeiligen Lombarden größer ausgeführt.

Einband:

Brauner Ledereinband des 19. Jhs.

Fragmente:

Zur Falzverstärkung wurden jeweils in der Mitte einer Lage Pergamentstreifen einer nicht identifizierten lateinischen Hs. wohl aus dem 13. Jh. benutzt.

Explicitformeln und Schreibernotate, die nicht im Bereich des Parzival stehen:

›Wigalois‹ (Bl. 68va): Explicit Wigalois; in roter Umrahmung: Explicit explicuit etc.; in roter Tinte: Hie hat das buch ey[1](n)[/1] ende [z] Ane alle mi#.s#.sewende [z] Her wigolus was er genant [z] Der die ebent#;vure er rant. Ansonsten gibt es weder im ›Wigalois‹ noch im ›Parzival‹ Schreiberglossen.

Geschichte:

Die Hs. wurde 1834 von G.C.F. Lisch im Großherzoglichen Geheim- und Hauptarchiv Schwerin gefunden und gelangte von dort in die Großherzogliche Regierungsbibliothek. Erst im 19. Jh. wurde die Hs. gebunden. Da der ›Wigalois‹ und der ›Parzival‹ von zwei verschiedenen Schreibern geschrieben wurde, der Einrichtungstyp beträchtlich differiert und auch zwei unterschiedliche Papiersorten verwendet wurden, wird von einer nachträglichen Vereinigung der beiden Stücke auszugehen sein (vgl. auch Bonath II, S. 245).

Archivbeschreibung:

P. Crain 1915 (10 Bl.)

Literatur: