Michael Stolz:
Der Codex Sangallensis 857 – Konturen einer
bedeutenden mittelhochdeutschen Epenhandschrift

(Fassung vom 24. April 2020)

1. Geschichte
2. Umfang
3. Inhalt
3.1. Wolframs ›Parzival‹
3.2. ›Nibelungenlied‹ und ›Klage‹
3.3. Strickers ›Karl der Große‹
3.4. Wolframs ›Willehalm‹
3.5. Friedrich von Sonnenburg
3.6. Konrads von Fußesbrunnen ›Kindheit Jesu‹
3.7. Konrads von Heimesfurt ›Unser vrouwen hinvart‹
4. Lagenstruktur
5. Schreiber
6. Schreibsprache
7. Nachgetragene Notate
8. Layout und Buchschmuck
9. Die verwandten Fragmente aus Berlin und Wien

Glossar

Literaturverzeichnis
Anmerkungen


Der in der Stiftsbibliothek St. Gallen aufbewahrte Codex 857 gehört zu den umfangreichsten und kostbarsten volkssprachigen Epenhandschriften des Mittelalters. Um 1260 im süddeutschen Raum entstanden, folgt er in Anlage und Layout dem Vorbild französischer Epenhandschriften des frühen 13. Jahrhunderts. Inhaltlich bietet der Codex eine für die Überlieferung mittelhochdeutscher Literatur einzigartige Zusammenstellung von Gattungen wie der Heldenepik, der Chanson de geste, dem Artusroman sowie religiösen Erzählstoffen. Die aufgenommenen Texte stellen mit dem ›Nibelungenlied‹, mit Wolframs ›Parzival‹ und ›Willehalm‹ Höhepunkte des literarischen Schaffens der Zeit um 1200 dar. Offensichtlich war der unbekannte Auftraggeber an einem Programm exzellenter Dichtungen interessiert und hatte Zugang zu qualitativ hochstehenden Vorlagen. Zur Herstellung des umfangreichen, aus fünf Einzelfaszikeln bestehenden Manuskripts wurde teures Pergament verwendet. Die beteiligten Schreiberhände lassen auf ein herausragendes Skriptorium schließen, in dem mindestens sieben Kopisten arbeiteten. Buchmaler, die in einer an der norditalienischen Buchillustration ausgerichteten Schule ausgebildet worden waren, fertigten die Großinitialen an und schufen mit Farbgebung und Stil eine in der deutschsprachigen Handschriftenproduktion singuläre Illuminationstechnik.

Früh weckte der Codex die Aufmerksamkeit von Bibliothekaren, Historikern und Kennern mittelalterlicher deutscher Literatur. 1768 von Fürstabt Beda Angehrn für die St. Galler Stiftsbibliothek erworben, wurde die Handschrift von Gelehrten wie Johann Jakob Bodmer, Friedrich Heinrich von der Hagen und Karl Lachmann konsultiert und zu einschlägigen Texteditionen genutzt. Nicht nur für Wolframs ›Parzival‹ und ›Willehalm‹, sondern auch für das ›Nibelungenlied‹ (Fassung *B) gilt der überlieferte Wortlaut noch heute gemeinhin als der beste verfügbare Text.

Das dem Cod. 857 entgegengebrachte Interesse führte nicht zuletzt zur Entfremdung einzelner Teile, die erst im späteren 20. Jahrhundert als der Handschrift einst zugehörig identifiziert worden sind. Die Aufdeckung der Zugehörigkeit von jetzt in Berlin und Karlsruhe befindlichen Lagenteilen und Einzelblättern trägt Züge eines spannenden Kriminalromans. Weitere Forschungen haben zudem ergeben, dass zwei heute in Berlin und Wien aufbewahrte Fragmente mit Textabschnitten aus dem ›Nibelungenlied‹ und aus Wolframs ›Parzival‹ demselben Skriptorium zugeordnet werden können. Im Kontext dieser Bruchstücke, die einen zum Teil erheblich abweichenden Wortlaut überliefern, gewinnt der St. Galler Cod. 857 zusätzliches Profil.

Als im Internet verfügbares Digitalisat kann die Handschrift mit den erwähnten Bestandteilen und Fragmenten virtuell zusammengeführt werden. Die in eine Benutzeroberfläche eingebundenen Farbaufnahmen gestatten es, die darin enthaltenen mittelalterlichen Texte in jener Gestalt wahrzunehmen, in der sie zur Mitte des 13. Jahrhunderts, also etwa 50 Jahre nach ihrer Entstehungszeit, kopiert, gelesen und vorgelesen wurden. Sehr viel näher ist in der handschriftlichen Überlieferung kaum je an die mittelhochdeutschen Dichter heranzukommen.

Die nachfolgenden Ausführungen gliedern sich wie folgt: Am Beginn stehen Angaben zur Geschichte der Handschrift, insbesondere zu ihren Schicksalen im 18. und 19. Jahrhundert und deren Erforschung. Danach werden Umfang und Inhalt des Codex erläutert, dies in Verbindung mit Hinweisen zu den einzelnen Dichtungen und deren neuzeitlichen Editionen. Weitere Themen sind die Einrichtung und das Layout des Manuskripts. Hierbei soll im Rückgriff auf bisherige Forschungen versucht werden, das Skriptorium näher zu bestimmen. Sprachliche Anhaltspunkte und stilistische Kriterien der Illuminationstechnik können helfen, Entstehungszeit und Entstehungsort der Handschrift einzugrenzen. In diesem Zusammenhang sind auch die beiden derselben Schreibwerkstatt entstammenden Fragmente aus Wien (Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 13070) und Berlin (Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Fragm. 44) einzubeziehen.

Im Anhang finden sich ein Glossar, das einschlägige Fachbegriffe erläutert, sowie ein Literaturverzeichnis.



1. Geschichte

Die Geschichte des Codex 857 verliert sich im Dunkel der Jahrhunderte vor 1500. Der erste nachweisbare Besitzer ist der Schweizer Gelehrte und Humanist Aegidius Tschudi (1505–1572), der in Sargans, Rorschach, Baden und Glarus politische Ämter ausübte.(1) Von Tschudis Hand stammen zahlreiche Unterstreichungen und Annotationen in der Handschrift, die als ein erster Versuch wissenschaftlicher Auseinandersetzung gelten können. Sie betreffen vor allem Namen und Begriffe, die dem Gelehrten als wichtig erschienen. So sind etwa auf der letzten Seite des ›Parzival‹-Romans (S. 288) am rechten Rand die Wörter Wolfram von Eschenbach und Welt herausgeschrieben.

Zusammen mit Tschudis Nachlass gelangte der Codex im Jahr 1652 auf Schloss Gräpplang (bei Flums im Sarganserland). 1767 wird er als Nummer 101 in einem Verkaufskatalog der Handschriften des Aegidius Tschudi erwähnt, den ein Nachkomme, Hauptmann Joseph Leodegar Tschudi, drucken ließ. Als Inhalt werden „in teutsche Reime gebrachte Heldengedichte des Herrn Wolframs von Eschenbach“ angegeben, dem auf diese Weise sämtliche Texte der Handschrift zugeschrieben werden. In nahezu wörtlicher Übernahme eines Eintrags aus Zedlers Universal-Lexikon von 1734 erscheint Wolfram als „berühmte(r) Meistersänger seiner Zeit aus der Schweiz, welcher, nachdem er vieler grosser Herren Höfe in Deutschland besucht, endlich bey Landgraf Hermann von Düringen Ao. 1200 auf dem Schloß Wartenberg bey Eisenach in Dienst gekommen“ sei.(2)

Die einzelnen Dichtungen werden (teilweise ebenfalls in Anlehnung an Zedler) bezeichnet als

Dies ist, wenn auch mit entstellten Namen, ziemlich genau jene Textabfolge, die der Codex noch heute zu erkennen gibt.

Die im Verkaufskatalog von 1767 aufgeführte Handschrift erweckte das Interesse von Johann Jakob Bodmer in Zürich. Doch gelang es Fürstabt Beda Angehrn, Tschudis Handschriftennachlass 1768 für das Kloster St. Gallen zu erwerben. Dabei spielten nicht zuletzt konfessionelle und prestigebedingte Gründe eine Rolle. Wie Angehrn in seinem Tagebuch betont, kaufte er die Handschriften, „damit sie nit in die Händ deren Zürcheren geratheten zum nachtheil der Catholischen und deren Gottshäüseren, indeme ville sachen in disen manuscriptis enthalten, welche könten critisieret werden“; „mit verdruß deren von Zürich“ habe er schließlich den Zuschlag erhalten.(3) Im Falle des Cod. 857 dürften die beiden im Schlussteil der Handschrift enthaltenen Dichtungen, Konrads von Fußesbrunnen ›Kindheit Jesu‹ sowie Konrads von Heimesfurt ›Unser vrouwen hinvart‹, von Angehrn als „zum nachtheil der Catholischen“ erachtet worden sein, während sich der „verdruß deren von Zürich“ wohl vor allem darauf richtete, dass Gelehrten wie Bodmer mit der St. Galler Erwerbung Texte vom Range des ›Parzival‹, ›Willehalm‹ und des ›Nibelungenlieds‹ entgangen waren.

Tatsächlich vermochte Bodmer bereits ein Jahr später, also 1769, die Handschrift nach Zürich auszuleihen. Eine nochmalige Ausleihe nach Zürich konnte er 1780 erwirken. Kurz zuvor hatte der St. Galler Unterbibliothekar P. Ildefons von Arx den Codex mit wenig Geschick paginiert: Er zählte zwei papierene Vorsatzblätter mit, sprang bei den Seitennummern (im ›Parzival‹, kurz vor Ende des 14. Buches) von S. 206 auf S. 261 und nochmals (kurz vor dem Ende des ›Nibelungenlieds‹) von S. 413 auf 415; ferner ließ er (in Strickers ›Karl der Große‹) nach S. 456 zwei Seiten ungezählt, die nun – von späterer Hand – als S. 456b/c bezeichnet sind. Mit der zweiten Ausleihe an Bodmer beginnt die spannende, bis in die letzten Jahre des 20. Jahrhunderts andauernde Geschichte um die Separierung und Wiederentdeckung des Schlussteils der Handschrift, die in germanistischen Fachkreisen als „der ›Raub der Kindheit Jesu‹“ bekannt ist.(4)

In den Jahren vor der zweiten Ausleihe vermerkte Bodmer, dass ein „fünf Blätter“ umfassendes „Fragment von Maria“ den Schlussteil des Codex bilde.(5) Damit dürfte jener fünf Blätter umfassende Teil des Codex mit Konrads von Fußesbrunnen ›Kindheit Jesu‹ gemeint sein, der sich heute in Berlin befindet. – Wie aber gelangten die separierten Blätter dorthin?

In einem Brief an seinen Freund Johann Heinrich Schinz vom 24. April 1779 beklagt sich Bodmer, dass sein neuerliches Ersuchen, die Handschrift nach Zürich auszuleihen, in St. Gallen auf wenig Gegenliebe gestoßen sei: „der Mönche [wohl Abt Beda Angehrn] hat alles abgeschlagen. Es sei, sagt er, läppisches Zeug in dem Gedicht von Anna und Maria, welches man gegen die catholische Religion missbrauchen möchte“.(6) Dies ist – nunmehr aus Bodmers Feder – eben jenes Argument, das der St. Galler Abt in seinem Tagebucheintrag von 1768 für den Erwerb der Tschudi-Handschriften und gegen die Interessen der Zürcher Konkurrenz ins Feld geführt hatte. Trotz der Fürsprache Caspar Lavaters und des Einsiedler Abts Marianus blieb man in St. Gallen zunächst hartnäckig. Erst die Vermittlung eines Pfarrers aus Oberuzwil und eines hohen äbtischen Beamten führten zu dem von Bodmer gewünschten Erfolg, so dass er im Juni 1780 den St. Galler Codex für ein ganzes Jahr nach Zürich ausgehändigt erhielt.

Bodmer fertigte daraufhin Abschriften aus dem Codex an, die neben anderen zur Grundlage der ab 1782 von seinem Schüler Christoph Heinrich Müller (Myller) in Berlin herausgegebenen ›Sammlung deutscher Gedichte aus dem XII., XIII. und XIV. Jahrhundert‹ wurden. Als Karl Lachmann seine Wolfram-Ausgabe von 1833 vorbereitete, trug er die Varianten der von ihm benutzten Handschriften in ein Exemplar von Wolframs ›Parzival‹ aus dieser Ausgabe ein.(7)

Auffällig ist, dass Bodmer das „Fragment von Maria“ in seinen Publikationen ab 1780 nicht mehr erwähnt. Vielmehr gibt er nun an, dass der Codex mit Wolframs ›Willehalm‹ ende: „Jetzt liegen in meinem Pulte auf Pergamen geschrieben, Parcifal, die Nibelungen, Karl Pepins Son, Wilhelm von Oransee. Ich lasse sie nett abschreiben“.(8) Hieraus lässt sich schließen, dass Abt Beda Angehrn der Ausleihe nach Zürich wohl widerstrebend zustimmte, zuvor aber die ihm problematisch erscheinenden Schlussabschnitte mit den religiösen Dichtungen entfernte. Seit der Rückkehr der Handschrift nach St. Gallen im Juni 1781 dürften die Blätter dem Codex lose beigelegen haben. Als der Germanist Friedrich Heinrich von der Hagen 1816 in die Stiftsbibliothek kam, um den Codex einzusehen, hat er vermutlich die separierten Blätter nach Berlin mitgenommen. Die in der jüngeren Forschung vollzogene ‚Inkriminierung‘ des Gelehrten ist freilich nicht völlig gesichert, muss doch offenbleiben, ob die Mitnahme als „Geschenk oder unrechtmäßig“(9) erfolgte.

Gleichwohl ist der Verdacht gegen von der Hagen nicht unbegründet. Von der Hagen konsultierte den St. Galler Codex im Zusammenhang mit seiner Ausgabe des ›Nibelungenlieds‹, die zwischen 1807 und 1820 in vier ganz unterschiedlichen Fassungen erschien. In seinen ›Briefen in die Heimat‹ rühmt er die Handschrift als „ein ehrwürdiges, großes und prächtiges altes Buch [...] und offenbar die ächteste und älteste Urkunde, de(n) eigentliche(n) Hort der Nibelungen.“(10) Über den Aufenthalt in St. Gallen, den ihm die Bibliothekare Johann Nepomuk Hauntinger und Ildefons von Arx ermöglichten, schreibt er: „In der ehemaligen Abtei war mir ein eigenes Zimmer eingerichtet, wo ich nach Belieben kommen und gehen konnte.“(11) Und an einer weiteren Stelle heißt es vielsagend: „alles habe ich benutzt, einiges ganz abgeschrieben, anderes steht mir in der Folge zu Gebote.“(12) Dass von der Hagen Blätter aus einer weiteren St. Galler Handschrift (Cod. 645, heute Berlin, Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, mgf 783, ›Das Herkommen der Schwyzer und Oberhasler‹) entwendet hat, gilt als erwiesen.(13) Im Quellenverzeichnis der 1850 veröffentlichten Erzählsammlung ›Gesammtabenteuer‹ bekennt er sich schließlich auch offen als Besitzer des ‚Fragments von Maria‘.(14)

Als Karl Lachmann die Handschrift zur Vorbereitung seiner Wolfram-Ausgabe konsultierte, waren von der ›Kindheit Jesu‹ keine Spuren mehr erkennbar. In der 1833 erschienenen Ausgabe hielt er fest, der Codex umfasse „vier theile“ und enthalte „am ende auf 66 folioblättern Wolframs Wilhelm“ (›Willehalm‹).(15) Dass die fehlenden Blätter dem Gesamteindruck der Handschrift kaum einen Abbruch taten, zeigt sich in Lachmanns enthusiastischer Beschreibung: „die edle geschmackvolle pracht der vergoldeten anfangsbuchstaben und gemahlten ersten zeilen der bücher, die einfache schönheit und das mass der freien sicheren züge, der milde glanz der tinte und des pergaments, sichern dieser handschrift den ersten platz unter allen mittelhochdeutschen, die ich gesehn habe“.(16)

Nach von der Hagens Tod 1856 ging das Bruchstück der ›Kindheit Jesu‹ zusammen mit dessen Nachlass an die Königliche Bibliothek zu Berlin über; heute wird sie dort in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz als mgf 1021 aufbewahrt.

Die Wiederentdeckung der Zusammengehörigkeit beider Handschriften wurde 1987 durch eine Beobachtung der Paläographin Karin Schneider eingeleitet. Sie erkannte, dass der Schreiber des Berliner Fragments mit jenem identisch war, der im St. Galler Codex fast das gesamte ›Nibelungenlied‹ und die ›Klage‹ geschrieben hatte (Schreiber V), und verwies zudem auf Übereinstimmungen in Einrichtung und Initialstil beider Handschriften.(17)

Noch im selben Jahr konnte Bernd Schirok zeigen, dass die Identität des Schreibers mit einer Identität der Handschrift zusammengeht; die Paginierung von der Hand des Bibliothekars Ildefons von Arx und der Hinweis im Verkaufskatalog von 1767 waren die Indizien.(18) Mit einer weiteren Besonderheit, dem Abklatsch einer Initiale der ersten Seite des Berliner Fragments auf der (heute) letzten Seite des St. Galler Codex (S. 693), bekräftigte Michael Redeker 1990 diese Vermutung.(19)

Zugleich konnte er nachweisen, dass ein weiteres Blatt zum St. Galler Codex gehörte: das verschollene Fragment E von Konrads von Heimesfurt ›Unser vrouwen hinvart‹, auf dessen Existenz bereits Äußerungen Bodmers und von der Hagens hingedeutet hatten. Redeker zeigte, dass das von Ernst F. Kossmann 1914/19 genau beschriebene und abgedruckte Fragment mit seiner Größe von 23 x 8,5 cm in die Lücke jenes Blattes passt, mit dem der hintere Innendeckel des St. Galler Codex zu dieser Zeit noch beklebt war. Durch einen glücklichen Zufall entdeckte dann Klaus Klein 1994 dieses Bruchstück in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe, wo es seit 1927 unter der Signatur Cod. K 2037 aufbewahrt wird.(20) Auf Ersuchen Bernd Schiroks wurde 1998 der Rest des im St. Galler Codex verbliebenen Blattes vom hinteren Innendeckel abgelöst; doch ließen die darauf erkennbaren Relikte von vier Schriftzeilen kaum Rückschlüsse auf mögliche Textzusammenhänge zu.(21)

Im Lauf weniger Jahre konnte so die ursprüngliche Gestalt des St. Galler Codex gleich einem Spiel mit Mosaiksteinchen rekonstruiert werden, dies trotz der Tatsache, dass die in Berlin und Karlsruhe erhaltenen Fragmente nur unvollkommene Teile des einstigen Umfangs bieten. Schirok geht davon aus, dass der Schlussteil des Codex bereits zur Zeit des Verkaufs an die St. Galler Stiftsbibliothek unvollständig war.(22) In einer Hochrechnung schätzt er den ursprünglichen Bestand des Schlussteils auf 18 Blätter.(23) Das Ergebnis wird nahezu bestätigt von Werner J. Hoffmann, der in einer zeitgleich erschienenen Berechnung auf 19 Blätter kommt.(24)

Mit den Wiederauffindungen der Teilstücke aus Berlin und Karlsruhe am Ende des 20. Jahrhunderts dürfte die Rekonstruktion des St. Galler Codex zu einem vorläufigen Abschluss gekommen sein. Paläographische Forschungen ermöglichen aber zugleich einen umfassenderen Blick in das Skriptorium, in dem die Handschrift angefertigt wurde. Wohl zusammen mit zwei weiteren heute bekannten Fragmenten der Codex in einer Werkstatt entstanden, in der „mehrere zusammenarbeitende Schreiber vielleicht auf die Herstellung deutschsprachiger Handschriften spezialisiert waren“(25) – eine Besonderheit im lateinisch dominierten Literaturbetrieb der Zeit.

Beide Fragmente sind einem Schreiber zuzuordnen, der im St. Galler Codex nur kurz, am Beginn des ›Nibelungenlieds‹, in Erscheinung tritt (S. 291, Schreiber IV). Seine „kleine, spitze, etwas unregelmäßige Schrift mit den häufigen Bogenverbindungen und Abkürzungen, deren auffälligstes Merkmal ein kurzes z mit vorn angehängtem Zierstrich oder -bogen unter der Zeile ist“, konnte Karin Schneider 1987 auch auf einem Doppelblatt, dem ›Nibelungenlied‹-Fragment E (Berlin, Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Fragm. 44), nachweisen.(26) Nigel Palmer machte 1992 ein weiteres Doppelblatt, das ›Parzival‹-Fragment a (Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 13070) namhaft, auf dem sich derselbe Schrifttyp findet.(27) Dieses zur Überlieferungsklasse *D gehörige Bruchstück weist gegenüber dem St. Galler Codex, der Haupthandschrift der *D-Klasse, einige nicht unbedeutende Varianten auf. Noch auffälliger sind die Abweichungen im Fall des ›Nibelungenlied‹-Fragments E, das gegenüber dem St. Galler Codex zu einer anderen Fassung gehört. Während letzterer den *B-Zweig vertritt, schließt sich E dem durch die Donaueschinger ›Nibelungenlied‹-Handschrift 63 (heute Karlsruhe, Badische Landesbibliothek) vertretenen *C-Zweig an. Die mutmaßlich gemeinsame Herkunft der beiden Fragmente und des St. Galler Codex aus demselben Skriptorium zeigt, wie relativ unfest die Überlieferung epischer Texte der Zeit um 1200 in einem Schreibzentrum der Mitte des 13. Jahrhunderts sein konnte.

Wünschenswert wären angesichts dieses Befundes präzisere Kenntnisse über die Schreibwerkstatt, doch bleiben diese nach wie vor ungenau. Eigenarten des Schriftdialekts, von denen im Folgenden noch zu handeln sein wird, weisen auf eine Region im südöstlichen alemannischen oder südwestlichen bairischen Raum, vielleicht auf Südtirol.

Undeutlich bleiben auch Profil und Interessen des unbekannten Auftraggebers der Handschrift. Hat er die Schreiber an einem weltlichen Hof beschäftigt oder gehörten diese einem klösterlichen Skriptorium an, das zwischendurch mit der Abschrift volkssprachiger Epen beauftragt wurde?(28) Da ›Parzival‹, ›Nibelungenlied‹, ›Karl der Große‹, ›Willehalm‹ und die ›Kindheit Jesu‹ jeweils mit einer neuen Lage beginnen (vgl. unten), stellt sich die Frage, ob der Auftraggeber die Herstellung der Texte in einzelnen ‚Booklets‘ plante oder ob er von Anfang an das Konzept einer Sammelhandschrift vor Augen hatte. Der gegenwärtige, aus lederüberzogenen Holzdeckeln bestehende Einband wurde nach jüngsten Erkenntnissen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts angefertigt, also wenige Jahrzehnte, bevor die Handschrift im Besitz von Aegidius Tschudi war.(29) Über den älteren Zustand lassen sich mithin nur Vermutungen anstellen.

Für die Planung und Nutzung als ‚Booklets‘(30) spräche die Tatsache, dass der Beginn der einzelnen Texte (besonders beim ›Parzival‹ und ›Nibelungenlied‹) stark abgenutzt ist. Auch der Anfang des ›Willehalm‹ könnte die Vermutung stützen, da hier der Text erst auf der Rückseite des ersten Blattes beginnt.

Andere Phänomene deuten hingegen darauf hin, dass bereits früh (vielleicht schon im 13. Jahrhundert) eine Integralbindung der einzelnen Teile erfolgt ist:(31)

Die Schmuckinitialen am Beginn des ›Nibelungenlieds‹ (S. 291) sind auf dem Versoblatt der letzten Lage des ›Parzival‹ leicht verschoben abgeklatscht (was auf eine Bindung, die jener des 15. Jahrhunderts vorausging, hinweisen könnte).

Auf der unbeschriebenen ersten Seite der ersten Lage des ›Willehalm‹ (S. 560) ist in alemannischer Schreibsprache die deutsche Version eines ›Ave maris stella‹ nachgetragen: Gruͤst sigest ein merstern ein hochi muͤt(er) gotz/ vnd ein saligi muͤt(er) gotz. Dieser Eintrag hat sich auf der Versoseite der letzten Lage des ›Karl‹ abgedruckt, was belegt, dass beide Texte zum Zeitpunkt des Eintrags bereits zusammengebunden waren (vgl. auch unten).

Auf der letzten Versoseite des ›Willehalm‹-Teils (S. 693) sind von einem Nachtragsschreiber Strophen des Dichters Friedrich von Sonnenburg aufgezeichnet worden. Diese weisen mit ihrer religiösen Thematik (u.a. Inkarnation und Gottesmutter) Bezüge zur ›Kindheit Jesu‹ auf – jener Dichtung, die auf der nebenstehenden Rectoseite mit einem Eingangsgebet beginnt. Auffällig ist dabei eine unterschiedliche Behandlung des Themas ‚Welt‘, das bei Friedrich von Sonnenburg positiv, im Eingangsgebet der ›Kindheit Jesu‹ dagegen negativ besetzt ist. Der aus dem dritten Viertel des 13. Jahrhunderts stammende Eintrag könnte im Bewusstsein des Kontrasts beider Positionen vorgenommen worden sein und damit anzeigen, dass der ›Willehalm‹ und die ›Kindheit Jesu‹ zu diesem Zeitpunkt schon zusammengebunden waren.

Für eine ältere Erstbindung könnten auch alte Heftlöcher sprechen, die im Codex noch zu sehen sind. Einige sind für die Bindung im 15. Jahrhundert wiederbenutzt worden, andere liegen heute frei. Doch stellt sich bei den alten Einstichlöchern erneut die Frage, ob sie für eine Bindung einzelner Textteile oder des gesamten Codex gedient haben.

Sollte der Codex bereits im 13. Jahrhundert in der heute rekonstruierbaren Gestalt vorgelegen haben, könnte man dem Auftraggeber programmatische Absichten bei der Textauswahl zusprechen. Erwogen wurde ein „heilsgeschichtliche(r) Aspekt“, unter dem sich Texte wie Wolframs ›Parzival‹ und ›Willehalm‹ sowie Strickers ›Karl der Große‹, die allesamt religiöse Komponenten aufweisen, mit der ›Kindheit Jesu‹ und ›Unser vrouwen hinvart‹ verbinden.(32) Die Aufnahme des ›Nibelungenlieds‹ könnte durch dessen literarischen Rang(33) und mehr noch durch die christliche Interpretation, die es in der angehängten ›Klage‹ erfährt,(34) in diesem Kontext gerechtfertigt werden. Bei einigen Textblöcken hat man die Abfolge auch in eine chronologisch gegenläufige Reihe zu bringen versucht, etwa in der Weise, dass sich die Chronologie rückwärts von der Zeit der Heldenepik und Chanson de geste (›Nibelungenlied‹, ›Karl der Große‹, ›Willehalm‹) bis in die biblische Zeit von Jesus und Maria (›Kindheit Jesu‹, ›Unser vrouwen hinvart‹) erstrecken würde.(35) Doch bleiben solche Ansätze weitgehend spekulativ. Auch die Vermutungen, ein bestimmter Text – etwa Wolframs ›Willehalm‹ – könne die Sammlung eröffnet, ein anderer – etwa ›Unser vrouwen hinvart‹ – sie abgeschlossen haben, sind letztlich nicht gesichert.(36)

Dass gegenüber volkssprachigen Epen wie dem ›Parzival‹ oder ›Willehalm‹ die Artusromane Hartmanns oder Gottfrieds ›Tristan‹ – beides Textsorten, denen eine entschieden religiöse Dimension fehlt – ausgespart blieben, muss die Annahme eines ‚heilsgeschichtlichen Programms‘ nicht unbedingt stützen. Der Auftraggeber könnte den im St. Galler Codex fassbaren Textverbund durchaus auch „zur Ergänzung einer schon bestehenden Bibliothek“ angelegt haben.(37) Würde diese Annahme zutreffen, erschienen Mutmaßungen über programmatische Absichten ohnehin in einem anderen Licht.

Die Anordnung der Texte im St. Galler Codex erweist sich damit als offen. Am wahrscheinlichsten bleibt das Konzept der ‚Booklets‘, deren Reihung bei einer Bindung im 13. Jahrhundert wohl bis zu einem gewissen Grad flexibel war, ohne einer strengen Programmatik zu folgen.



2. Umfang

Die Pergamenthandschrift besteht aus 318 Blättern (in St. Gallen) und 5 Blättern (in Berlin), die alle zweispaltig beschriftet worden sind; hinzu kommt das einspaltig erhaltene Fragment (in Karlsruhe).(38)

Die Blattgröße beträgt 31,5 x 21,5 cm, der Schriftspiegel 26 x 16,5 cm. Da die Handschrift beim Binden beschnitten worden ist, bestehen in der Randbreite zum Teil große Abweichungen. Die Paginierung (Seiten-, keine Blattzählung) stammt von Ildefons von Arx (um 1780). Sie hat trotz ihrer Fehlerhaftigkeit breite Verwendung in der Forschung gefunden. Im Interesse einer besseren Überschaubarkeit wird – im Anschluss an einen Vorschlag von Joachim Bumke(39) – bei der nachstehenden Übersicht und in der Digitaledition eine neue Foliierung in Klammern beigegeben.

In der heute fassbaren Gestalt präsentiert sich der Inhalt wie folgt:

S. 5–288 [Bl. 1r–115v]: Wolfram von Eschenbach, ›Parzival‹
S. 291–451 [Bl. 117r–196v]: ›Nibelungenlied‹ und ›Klage‹
S. 452–558 [Bl. 197r–251r]: Stricker, ›Karl der Große‹
S. 561–691 [Bl. 252v–317v]:      Wolfram von Eschenbach, ›Willehalm‹
S. 693 [Bl. 318v]: Friedrich von Sonnenburg, 5 Strophen
S. 694–703 [Bl. 319r–323v]:      Konrad von Fußesbrunnen, ›Kindheit Jesu‹ (Fragment)
Bruchstück: Konrad von Heimesfurt, ›Unser vrouwen hinvart‹ (Fragment)

Mit Ausnahme der ›Klage‹, der Strophen Friedrichs von Sonnenburg und von ›Unser vrouwen hinvart‹ beginnt jeder der angeführten Textabschnitte auf einer neuen Lage (vgl. unten). Die enge Zusammengehörigkeit des ›Nibelungenlieds‹ und der ›Klage‹ zeigt sich darin, dass letztere direkt an das ›Nibelungenlied‹ anschließt (S. 416). Die Abfolge von Strickers ›Karl‹ (einer höfischen Fassung des ›Rolandslieds‹) und Wolframs ›Willehalm‹ vereint zwei Texte der Chanson de geste, die inhaltlich zusammengehören und chronologisch aufeinander bezogen werden können (Kampf christlicher Heere gegen die heidnischen Mauren unter Karl dem Großen und unter Guillaume d’Orange/ de Toulouse, beide nach altfranzösischem Vorbild). Eine ähnlich chronologische Binnenstruktur können die Erzählungen von der ›Kindheit Jesu‹ und das Fragment von ›Unser vrouwen hinvart‹ (Mariä Himmelfahrt) beanspruchen.



3. Inhalt

3.1. Wolframs ›Parzival‹

Wolframs vom Erstherausgeber Karl Lachmann in 16 Bücher eingeteilter Versroman ›Parzival‹ (entstanden um 1200/10) verleiht der Gattung des Artusromans eine heilsgeschichtliche Dimension. In selbständiger Verarbeitung der altfranzösischen Vorlage von Chrétien de Troyes (›Perceval ou le Conte du Graal‹, vor 1190) erzählt Wolfram von den Geschicken des Ritters Parzival, der einen beschwerlichen Aventiure-Weg vom jugendlichen Toren zum Herrscher über das Gralreich beschreitet. Das zentrale Motiv des Romans ist eine unterlassene Frage: Aus falsch verstandener Höflichkeit fragt Parzival bei seinem ersten Besuch auf der Gralburg Munsalvaesche nicht nach dem Grund des Leidens, das den König Anfortas, seinen Oheim, quält. Dadurch verwirkt er seinen eigenen Anspruch auf das Gralkönigtum und muss diesen in einer mühsamen Läuterung zurückgewinnen. Als Parallelfigur erscheint der Ritter Gawan, der sich ausschließlich in weltlichen Prüfungen (des ritterlichen Kampfes und der Minne) bewährt, jedoch anders als Parzival nicht zu einer religiösen Bestimmung vordringt. Eine Verbindung mit der Welt des Orients schafft Wolfram durch die Vorgeschichte, die von Parzivals Vater Gahmuret und der Zeugung des Halbbruders Feirefiz mit der schönen Heidin Belakane handelt. Verwandtschaftliche Bindungen sind ein Thema, das die Erzählung (u.a. beim späteren Auftreten des Feirefiz) leitmotivisch durchzieht. Mit hintergründigem Humor wirkt der Erzähler an seinem Stoff und gewinnt der Handlung immer wieder neue, überraschende Aspekte und Wendungen ab. Zur Profilierung des Erzählers trägt auch das Gespräch bei, das dieser mit Frau Aventiure, der personifizierten Erzählung, führt (433,1 ff., Cod. 857, S. 124b).


Sigle des Codex 857 in der Editionsphilologie des ›Parzival‹: D. Fassungszugehörigkeit: *D.

Wichtige Ausgaben (maßgeblich orientiert an Cod. 857):

Wolfram von Eschenbach, hg. v. Karl Lachmann, Berlin 1833, S. 13–388.

Wolfram von Eschenbach, Parzival. Nach der Ausgabe Karl Lachmanns revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann. Übertragen von Dieter Kühn, 2 Bde., Frankfurt am Main 1994 (Bibliothek des Mittelalters 8,1/2 [Bibliothek deutscher Klassiker 110]).

Wolfram von Eschenbach, Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einleitung von Bernd Schirok, zweite Auflage, Berlin/ New York 2003.

Wolfram von Eschenbach, Parzival. Auf der Grundlage der Handschrift D hg. v. Joachim Bumke, Tübingen 2008 (Altdeutsche Textbibliothek 119).


Englische Übersetzung:

Wolfram von Eschenbach, Parzival. Translated by Cyril Edwards with Titurel and the Love-Lyrics and with an essay on the Munich Parzival illustrations by Julia Walworth, Woodbridge/Rochester (NY) 2004 (Arthurian Studies 56).



3.2. ›Nibelungenlied‹ und ›Klage‹

Mit dem ›Nibelungenlied‹ (Fassung *B, auch ‚Not-Fassung‘, um 1200) findet die archaische Welt der Heldensage Aufnahme in den Codex. In aus jeweils vier Langzeilen bestehenden Strophen erzählt der anonyme Dichter, wie der Held Siegfried an den Hof zu Worms kommt und die burgundische Prinzessin Kriemhild zur Frau gewinnt. Siegfrieds sagenhafte Stärke und der von den Nibelungen erworbene Schatz verschaffen ihm Ansehen, führen aber auch zu Misstrauen am Burgundenhof. König Gunther, dem Siegfried bei der betrügerischen Werbung um die unbesiegbare Brünhild geholfen hat, und der listige Hagen schmieden ein Mordkomplott, das während einer Jagd im Odenwald ausgeführt wird. Kriemhilds maßlose Trauer schlägt bald in Rachepläne um. Die Verwirklichung gelingt ihr durch die Heirat mit dem Hunnenkönig Etzel. Jahre später lädt sie die Burgunden an Etzels Hof und lässt sie grausam töten. Der archaische Stoff ist von Momenten höfischer Erzählkunst begleitet, so etwa anlässlich der ersten Begegnung von Kriemhild und Siegfried (Str. 265 ff., Cod. 857, S. 302a; dieser Abschnitt liegt auch im Berliner Fragment E, Bl. 1v, vor). Am Beginn des Textes im St. Galler Codex fehlen gegenüber den Fassungen *AC die erste Strophe (Uns ist in alten mæren wunders vil geseit ...) und gegenüber *A die dritte Strophe (Der minneclîchen meide triuten wol gezam ...).

In der ›Klage‹, die in allen vollständigen Handschriften auf das ›Nibelungenlied‹ folgt, werden die schroffen Züge der Erzählung in einem christlichen Sinn geglättet: Die Schuld tragen die Burgunden für ihre ‚alte Sünde‘ (v. 196, Cod. 857, S. 417b), Hagen erscheint als ‚Teufel‘ (valant, v. 1250, Cod. 857, S. 426b), während die ihrerseits im ›Nibelungenlied‹ als ‚Teufelin‘ bezeichnete Kriemhild (valendinne, Str. 2371,4, Cod. 857, S. 415b) hier entlastet wird. Mit dieser Deutung steht die ›Klage‹ der bald nach der Fassung *B entstandenen Fassung *C nahe (auch ‚Liet-Fassung‘, vertreten u.a. durch die Handschrift Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 63, 2. Viertel d. 13. Jhs.).


Sigle des Codex 857 in der Editionsphilologie des ›Nibelungenlieds‹ und der ›Klage‹: B.

Wichtige Ausgaben des ›Nibelungenlieds‹, Fassung *B:

Der Nibelunge nôt. Mit den Abweichungen von Der Nibelunge liet, den Lesarten sämmtlicher Handschriften und einem Wörterbuche hg. v. Karl Bartsch, 3 Bde., Leipzig 1870–1880.

Das ›Nibelungenlied‹, nach der Ausgabe von Karl Bartsch hg. v. Helmut de Boor, 22. revidierte und von Roswitha Wisniewski ergänzte Auflage, Wiesbaden 1996 (Deutsche Klassiker des Mittelalters).


Neuhochdeutsche Übersetzung:

Das Nibelungenlied. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 2003 (Universalbibliothek 644).


Englische Übersetzung:

The Nibelungenlied. The Lay of the Nibelungs. Translated with an introduction and notes by Cyril Edwards, Oxford/ New York 2010.



Ausgaben der ›Klage‹:

Diu Klage mit den Lesarten sämmtlicher Handschriften, hg. v. Karl Bartsch, Leipzig 1875.

Die Klage mit vollständigem kritischem Apparat und ausführlicher Einleitung unter Benutzung der von Fr[iedrich] Zarncke gesammelten Abschriften und Collationen hg. v. Anton Edzardi, Hannover 1875.

Die ›Nibelungenklage‹. Synoptische Ausgabe aller vier Fassungen, hg. v. Joachim Bumke, Berlin/New York 1999.


Neuhochdeutsche Übersetzung:

Die Nibelungenklage. Mittelhochdeutscher Text nach der Ausgabe von Karl Bartsch, Einführung, neuhochdeutsche Übersetzung und Kommentar von Elisabeth Lienert, Paderborn 2000 (Schöninghs mediävistische Editionen 5)


Englische Übersetzung:

The Lament of the Nibelungen (Dív Chlage). Translated and with Introduction by Winder McConnell, Columbia 1994 (Studies in German Literature, Linguistics and Culture, Translations from Medieval Literature).



3.3. Strickers ›Karl der Große‹

Auch Strickers ›Karl der Große‹ (nach 1220) bietet eine Höfisierung älterer Erzähltraditionen, hier in Form einer Neudichtung. In Anlehnung an das ›Rolandslied‹ des Pfaffen Konrad (um 1172), das seinerseits auf eine französische Vorlage (›Chanson de Roland‹) zurückgeht, handelt die Erzählung von dem Heerzug Kaiser Karls des Großen in das maurische Spanien. Nach der siegreichen Eroberung befindet sich Karls Heer bereits auf dem Rückweg, als die von Roland und den Paladinen angeführte Nachhut in einen Hinterhalt gerät. Der Unterhändler Genelun, Rolands Stiefvater, hat die Franken an den heidnischen König Marsilies verraten. In Runzival, einem Tal der Pyrenäen, werden Roland und die Seinen von den Heiden aufgespürt und in heftigem Kampf hingemetzelt. Zu spät holt der sterbende Roland den Kaiser durch einen Hornruf zurück. Doch Karl nimmt unerbittliche Rache, besiegt Marsilies und die zu Hilfe geeilten Heerscharen des heidnischen Großkönigs Paligan. Der Verräter Genelun wird verurteilt und hingerichtet. Die neuen Akzente der Strickerschen Erzählung verleihen der Gestalt Kaiser Karls starkes Gewicht (dies im Zusammenhang mit der Karlsverehrung des 13. Jahrhunderts: Translation der Gebeine im Jahr 1215). Gegenüber dem ›Rolandslied‹ wird die Taufe der Heidenkönigin Pregmunda (christlich Juliane) stärker profiliert (vv. 10339ff., Cod. 857, S. 542a/b).


Sigle des Codex 857 in der Editionsphilologie von Strickers ›Karl dem Großen‹: C.

Ausgaben:

Karl der Große von dem Stricker, hg. v. Karl Bartsch, Quedlinburg/ Leipzig 1857 (Bibliothek der gesammten deutschen Nationalliteratur von der ältesten bis auf die neuere Zeit 35), Nachdruck mit einem Nachwort von Dieter Kartschoke, Berlin 1965 (Deutsche Neudrucke).

Stefanie Weber: Strickers Karl der Große. Analyse der Überlieferungsgeschichte und Edition des Textes auf Grundlage von C, Hamburg 2010 (Schriften zur Mediävistik 18), S. 271–586.

Strickers Karl der Große, hg. v. Johannes Singer, Berlin/ Boston 2016 (Deutsche Texte des Mittelalters 96).



3.4. Wolframs ›Willehalm‹

Das Thema der Heidentaufe findet sich auch in Wolframs ›Willehalm‹ (um 1210/20), auf den sich der Stricker – wie eine Passage am Schluss des ›Karl‹ (vv. 12196 ff., Cod. 857, S. 558b) vermuten lässt – bereits bezieht. Dem französischen Epos ›Aliscans‹ (um 1200) folgend, handelt die Erzählung vom Krieg zwischen Heiden und Christen in Südfrankreich. Anlass ist die Taufe und Heirat der heidnischen Prinzessin Arabel (christlich Gyburc) mit Markgraf Willehalm von der Provence. Arabels Vater, der Großkönig Terramer, bietet ein riesiges Heer auf und schlägt die Christen vernichtend bei Alischanz (in der Nähe von Arles). Nachdem er alle Mitstreiter verloren hat, wendet sich Willehalm an den französischen König Loys um Beistand. Sein wichtigster Helfer wird der riesenhafte Rennewart, Terramers Sohn, der am französischen Königshof unerkannt als Küchenjunge dient. In einer zweiten Schlacht bei Alischanz führt der mit einer Stange bewaffnete Rennewart die entscheidende Wendung herbei. Nach dem Sieg über die Heiden löst sein rätselhaftes Verschwinden Irritationen aus. Als Willehalm die gefallenen Heidenkönige in ihre Heimat überführen lässt, bricht die Erzählung ab. Wolframs Dichtung lebt vor allem von den Geschwistern Arabel/ Gyburc und Rennewart, in denen sich heidnische und christliche Züge vereinen. Wie schon im ›Parzival‹ spielt das Motiv der Verwandtschaft eine wichtige Rolle. In einer bewegenden Rede vor dem christlichen Fürstenrat betont Gyburc, dass auch die Heiden Geschöpfe Gottes (gotes hantgetat, 306,28, Cod. 857, S. 647a) und alle Menschen durch Gott miteinander verwandt seien. Den Gattungskonventionen der Chanson de Geste folgend, beginnt der Text mit einem Gebet an die Trinität; die einleitende Großinitiale ist in der St. Galler Handschrift aufwendig gestaltet (1,1, Cod. 857, S. 561a).


Sigle des Codex 857 in der Editionsphilologie des ›Willehalm‹: G (früher K).


Ausgaben:

Wolfram von Eschenbach, hg. v. Karl Lachmann, Berlin 1833, S. 421–638.

Wolfram von Eschenbach, Willehalm, nach der gesamten Überlieferung kritisch hg. v. Werner Schröder, Berlin/ New York 1978.

Ausgabe nach Cod. 857:

Wolfram von Eschenbach: Willehalm. Nach der Handschrift 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen. Mittelhochdeutscher Text, Übersetzung, Kommentar, hg. v. Joachim Heinzle, mit den Miniaturen aus der Wolfenbütteler Handschrift und einem Aufsatz von Peter und Dorothea Diemer, Frankfurt am Main 1991 (Bibliothek des Mittelalters 9 [Bibliothek deutscher Klassiker 69]).

Wolfram von Eschenbach, Willehalm. Nach der Handschrift 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen, hg. v. Joachim Heinzle, Tübingen 1994 (Altdeutsche Textbibliothek 108).


Neuhochdeutsche Übersetzungen:

Wolfram von Eschenbach, Willehalm. Text der Ausgabe von Werner Schröder. Vorwort, Übersetzung und Register von Dieter Kartschoke, dritte durchgesehene Auflage, Berlin/ New York 2003.

Wolfram von Eschenbach, Willehalm, Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, nach dem kritischen Text von Werner Schröder ins Neuhochdeutsche übersetzt, kommentiert und herausgegeben von Horst Brunner, Ditzingen 2018 (Universalbibliothek 19462).



3.5. Friedrich von Sonnenburg

Auf der letzten Versoseite des ›Willehalm‹-Teils sind – bald nach ihrer Entstehung (3. Viertel d. 13. Jhs.) – die Strophen Friedrichs von Sonnenburg nachgetragen (Cod. 857, S. 693). Die darin zum Ausdruck kommende positive Sichtweise der werlt kontrastiert – wie bereits erwähnt – mit dem Eingangsgebet in Konrads von Fußesbrunnen ›Kindheit Jesu‹, das gegenüber der werlde lone und der werlde svͤze eine kritische Haltung einnimmt (v. 67, 88, Cod. 857, S. 694b).


Sigle des Codex 857 in der Editionsphilologie des Friedrich von Sonnenburg: G.

Ausgabe:

Die Sprüche Friedrichs von Sonnenburg, hg. v. Achim Masser, Tübingen 1979 (Altdeutsche Textbibliothek 86).



3.6. Konrads von Fußesbrunnen ›Kindheit Jesu‹

Die ›Kindheit Jesu‹ (um 1200) folgt dem ›Pseudo-Matthäusevangelium‹ aus dem 5. Jahrhundert. In den vollständig erhaltenen Textzeugen werden die Vermählung von Josef und Maria, die Geburt und die Wundertaten des Jesuskindes geschildert, doch bricht der Text der nun in Berlin aufbewahrten Blätter bereits bei der Beschneidung Jesu (v. 1141, S. 703) ab. Es handelt sich um den ältesten erhaltenen Überlieferungszeugen der ›Kindheit Jesu‹. Im Wortlaut bestehen mitunter beträchtliche Abweichungen (u.a. Fehl- und Zusatzverse, Umstellungen) gegenüber dem Wiener Cod. 2696, an dem sich die maßgebliche Ausgabe der ›Kindheit Jesu‹ (s.u.) orientiert.


Sigle des Fragments aus Codex 857 in der Editionsphilologie der ›Kindheit Jesu‹: L.

Ausgabe:

Konrad von Fußesbrunnen, Die Kindheit Jesu. Kritische Ausgabe von Hans Fromm und Klaus Grubmüller, Berlin/ New York 1973.



3.7. Konrads von Heimesfurt ›Unser vrouwen hinvart‹

Demselben Genre religiöser Versepik angehörend, folgt das Fragment mit Konrads von Heimesfurt ›Unser vrouwen hinvart‹ (um 1225), das im Anschluss an den ›Transitus Mariae‹ des Pseudo-Melito aus der Zeit um 400 von der Himmelfahrt Mariens erzählt. Die wenigen erhaltenen Verse (vv. 1025–1052, 1183–1209) stammen aus dem Schlussteil der Dichtung (Empfang Marias im Himmel, Rückkehr der Apostel in ihre Bestimmungsländer, Epilog). Die in anderen Handschriften eingeschaltete Episode vom Besuch des Apostels Thomas am leeren Grab Mariens (vv. 1053–1182) fehlt in dem heute in Karlsruhe aufbewahrten Blatt.


Sigle des Fragments aus Codex 857 in der Editionsphilologie der ›Hinvart‹: E.

Ausgabe:

Konrad von Heimesfurt, ›Unser vrouwen hinvart‹ und ›Diu urstende‹. Mit Verwendung der Vorarbeiten von Werner Fechter hg. v. Kurt Gärtner/ Werner J. Hoffmann, Tübingen 1989 (Altdeutsche Textbibliothek 99) [danach die angegebene Verszählung].


Textabdruck des Fragments:

E[rnst] F. Kossmann, Ein Fragment der Hinfahrt Mariae von Konrad von Heimesfurt, in: Frankfurter Bücherfreund. Mitteilungen aus dem Antiquariate von Joseph Baer u. Co., 12. Jg., Neue Folge 1 (1914/1919), S. 217.



4. Lagenstruktur

Die heute bekannte Gestalt der Handschrift lässt darauf schließen, dass sie aus 44 Lagen bestanden hat: 41 Lagen befinden sich im St. Galler Codex. Die Berliner Blätter der ›Kindheit Jesu‹ gehören zu einer weiteren unvollständigen Lage, der sich eine heute verlorene Lage sowie jene Lage, die das Karlsruher Fragment von ›Unser vrouwen hinvart‹ enthielt, anschlossen.(40)

Wolframs ›Parzival‹ umfasst die Lagen 1–15, das ›Nibelungenlied‹ mit der ›Klage‹ die Lagen 16–25, Strickers ›Karl der Große‹ die Lagen 26–32, Wolframs ›Willehalm‹ die Lagen 33–41; für die ›Kindheit Jesu‹ und ›Unser vrouwen hinvart‹ sind die Lagen 42–43 zu rekonstruieren.


Die Lagenformel lautet:

- ›Parzival‹: 14 IV282 + (III–2)290,
- ›Nibelungenlied‹ und ›Klage‹: 3 IV338 + (V–2)354 + 6 IV451,
- ›Karl‹: 3 IV497 + 2 (V–2)529 + IV545 + (IV–1)559,
- ›Willehalm‹ und Friedrich von Sonnenburg: 8 IV687 + (II–1)693,
- ›Kindheit Jesu‹ und ›Hinvart‹: (IV–3)703 + ? + 1''730''.


In der Regel handelt es sich um Quaternionen (IV: Lagen zu vier Doppelblättern = 8 Einzelblättern = 16 Seiten). Auffällig ist, dass am Schluss der Texte meistens eine verminderte Lagenstärke begegnet:

Die 15. Lage (am Schluss des ›Parzival‹) ist ein Ternio (III: drei Doppelblätter), dem zwei Einzelblätter fehlen.

Die 32. Lage (am Schluss des ›Karl‹) weist einen Quaternio auf, dem das erste Blatt fehlt (hier wurde ein Ternio durch ein äußeres Doppelblatt ergänzt, dessen linke Hälfte abgeschnitten wurde, während der Schlusseintrag des ›Karl‹ auf der Vorderseite der rechten Hälfte erfolgte).

Die 41. Lage (am Schluss des ›Willehalm‹) ist ein Binio (II: zwei Doppelblätter) mit einem fehlenden Blatt.

Die 19. Lage (im ›Nibelungenlied‹) sowie die 29. und 30. Lage (im ›Karl‹) sind Quinternionen (V: fünf Doppelblätter), denen je zwei Einzelblätter fehlen.

Die 42. Lage (›Kindheit Jesu‹) besteht noch aus drei Einzelblättern, die auf moderne Papierfalze geklebt sind, sowie dem inneren Doppelblatt einer Lage, was auf einen Quaternio schließen lässt. Die 43. Lage (die vermutlich den Rest der ›Kindheit Jesu‹ und den Anfang ›Unser vrouwen hinvart‹ enthielt) ist verloren. Die 44. Lage (mit dem Schlussteil von ›Unser vrouwen hinvart‹) könnte ein Binio gewesen sein. Dies ergibt sich aus einer Berechnung von Hoffmann, der für die 42. bis 44. Lage (bei separater Foliierung) die Formel 2 IV16 + (II–1)19 erschließt und von folgender Verteilung der Texte auf die Blattseiten ausgeht: ›Kindheit Jesu‹ Bl. 1ra–14va, ›Unser vrouwen hinvart‹ Bl. 14va–19ra (gemäß dem Paginierungssystem von Ildefons von Arx wären dies die Seitenzahlen 694a–721a bzw. 721a–730a).(41)

Die Nummer jeder Lage wurde von einer modernen Hand zumeist auf der letzten Lagenseite notiert. Eine Abweichung von diesem Verfahren steht in Übereinstimmung mit Gustav Scherrers Katalog der St. Galler Handschriften von 1875. Dort heißt es von der 29. Lage (statt von der 32. Lage), sie umfasse nur sieben Blätter. Dieser Angabe entsprechend steht die Lagenziffer bei den Lagen 29 bis 31 fälschlich auf der jeweils vorletzten Seite. Ab der 32. Lage, die nur sieben Blätter enthält (Ende des ›Karl‹), ist die Zählung dann wieder korrekt.(42)

Einzelheiten der Lagenstruktur sind den in der Digitaledition beigegebenen Lagensymbolen zu entnehmen.



5. Schreiber

An der Herstellung des Codex waren drei Haupt- und vier Nebenschreiber beteiligt, die eine gotische Minuskel, wie sie im zweiten Viertel und um die Mitte des 13. Jahrhunderts üblich war, verwendeten.(43) Ein weiterer (achter) Schreiber, der wohl nicht dem Skriptorium zugehörte, hat mit zeitlichem Abstand die Strophen Friedrichs von Sonnenburg nachgetragen. Den Hauptanteil trug der dritte Schreiber, der innerhalb des Skriptoriums vermutlich eine Führungsposition (vielleicht als Lehrer oder Meister) einnahm.(44) Über die verschiedenen Textabschnitte sind die einzelnen Hände wie folgt verteilt:

›Parzival‹ (Lage 1–15)

1,1–16,2 Schreiber I S. 5a–9a [Bl. 1ra–3ra]
16,3–18,29 Schreiber II S. 9a–9b [Bl. 3ra–3rb]
18,30–827,30 Schreiber III     S. 10a–288a       [Bl. 3va–115va]

›Nibelungenlied‹ und ›Klage‹ (Lage 16–25)

NL 2,1–2,4 Schreiber III     S. 291a [Bl. 117ra]
NL 4,1–21,1 Schreiber IV S. 291a–291b [Bl. 117ra–117rb]
NL 21,1–392,4 Schreiber III S. 291b–307b     [Bl. 117rb–125rb]
NL 393,1–2379,4     Schreiber V S. 307b–416a [Bl. 125rb–179ra]
Klage 1–4357 Schreiber V S. 416a–451b [Bl. 179ra–196vb]

›Karl der Große‹ (Lage 26–32)

1–396 Schreiber V S. 452a–455a [Bl. 197ra–198va]
397–400 Schreiber VI S. 455b [Bl. 198vb]
401–12206               Schreiber VII   S. 455b–558b     [Bl. 198vb–251rb]

›Willehalm‹ (Lage 33–41)

1,1–467,4                Schreiber III     S. 561a–691b     [Bl. 252va–317vb]
467,5–467,22                Schreiber VI     S. 691a/b     [Bl. 317va/b]

Friedrich von Sonnenburg

5 Strophen               Schreiber VIII   S. 693                 [Bl. 318v]

›Kindheit Jesu‹ und ›Hinvart‹ (Lage 42–44)

›Kindheit‹ 1–1141   Schreiber V       S. 694a–703b     [Bl. 319ra–323vb]
›Hinvart‹ (Schluss)   Schreiber V       Bruchstück

Die Übersicht zeigt, dass es besonders am Beginn der einzelnen Texte zu Schreiberwechseln gekommen ist:

Auf den ersten Seiten des ›Parzival‹ waren zunächst zwei Schreiber beschäftigt, ehe der dritte am Anfang der dritten Versoseite (ab 18,30) übernahm. Noch deutlicher fällt der Wechsel beim ›Nibelungenlied‹ aus, wo der dritte Schreiber mit einer Strophe begann, die Arbeit dann für einige Strophen einem neuen Schreiber (IV) überließ, aber noch auf derselben Seite die Arbeit fortsetzte, um sie nach 16 Seiten (ab Str. 393) an einen weiteren Schreiber (V) abzugeben, der dann den Hauptanteil des ›Nibelungenlieds‹ und die ganze ›Klage‹ übernahm. Derselbe Schreiber (V) widmete sich auch dem Beginn von Strickers ›Karl‹, gab die Arbeit aber nach wenigen Spalten offenbar an einen neuen Schreiber (VI) ab.(45) Er wurde noch auf derselben Seite von einem weiteren Schreiber (VII) abgelöst, der dann die gesamte Strickersche Dichtung übernahm.

Die übrigen Anteile wurden beim ›Willehalm‹ vom dritten, bei den erhaltenen Teilen der ›Kindheit Jesu‹ und der ›Hinvart‹ vom fünften Schreiber übernommen. Beide sind zusammen mit dem siebten Schreiber als die Hauptverantwortlichen des Codex erkennbar. Es lässt sich regelrecht eine Abfolge der Schreiber III – V – VII beobachten, deren Werk zwischendurch von Nebenschreibern (I, II, IV, VI) unterbrochen worden ist.(46)

Dies spricht für eine besondere Sorgfalt bei der Anfertigung, die sich im Übrigen auch bei der Vorbereitung der Lagen für die Beschriftung zeigt: Offenbar haben die Schreiber die Lagen selbst zusammengesetzt, danach die Doppelseiten für die Linierung vorgestochen und sie schließlich eigenhändig liniert.(47)

Die Zeilenmarkierung erfolgte in der Weise, dass zunächst die äußere Seite des äußersten Doppelblattes und danach die bereits gefalteten Doppelseiten (so wie sie sich heute in aufgeschlagenem Zustand präsentieren) mit horizontal durchgezogenen Strichen liniert wurden (vgl. etwa S. 404f. im Gegensatz zu S. 402f., wo ein Lagenwechsel vorliegt). Hieraus erklärt sich, dass die Zeilenzahl jeweils bei den äußersten Seiten einer Lage sowie innerhalb der aufgeschlagenen Doppelseiten des Codex (auch jenen im Inneren der Lage) identisch ist, während die Doppelseiten untereinander einen unregelmäßigen Umfang aufweisen.(48)

Eine vertikale Linierung hat die Untergliederung des Textes in Spalten ermöglicht. Die linke und rechte Seite sind jeweils durch sechs senkrechte Linien in fünf Kolumnen unterteilt, die folgende Funktionen haben: Platz für Kleininitialen oder Versalien in Spalte a (ca. 7 mm) – Text von Spalte a (ca. 73 mm) – Leerkolumne zwischen beiden Spalten mit Platz für Kleininitialen oder Versalien in Spalte b (ca. 16 mm) – Text von Spalte b (ca. 71 mm) – ein weiterer freier Platz aus Symmetriegründen (ca. 7,5 mm, Abstände gemessen an S. 404).

Das in anderen Skriptorien gebräuchliche Verfahren, die ganzen, noch ungehefteten Doppelblätter einer Lage zu linieren, kam bei der Herstellung des Codex nicht zur Anwendung.

Zur Markierung der Zeilen benutzte der dritte Schreiber – nach älterer Praxis – einen Bleistift (Lagen 2–17, 33–41), während die übrigen Schreiber (I, V, VII) Tinte verwendeten.(49) Die Bleistiftlinierung ist zum Teil stark verblasst (etwa im ›Parzival‹, S. 88f., 92, im ›Nibelungenlied‹, S. 291, im ›Willehalm‹ in den Lagen 33–35).

Beachtung verdienen auch diverse Textnachträge, die von den genannten Schreibern vorgenommen worden sind: Auf S. 451 hat der Schreiber der ›Klage‹ (V) die Schlussverse noch in einen breiten Block am unteren Rand eingepasst – vermutlich, um hier, am Ende einer Lage, nicht mit einem neuen Blatt beginnen zu müssen.(50) Auf S. 691 (Bl. 2v eines Binio) hat ein Schreiber (VI?) in zwei Spalten am unteren Rand den regulären Eintrag des ›Willehalm‹-Schreibers (III) um die letzten 19 Verse dieser von Wolfram unvollständig hinterlassenen Dichtung ergänzt.(51) In derselben Lage, S. 693 (Bl. 4v des Binio), findet sich auch der Nachtrag der Strophen Friedrichs von Sonnenburg, deren Schreiber (VIII) sich an die bereits bestehende Linierung gehalten hat.

Ordnet man die Eintragungen des Codex nicht nach Texten, sondern nach Schreibern, so ergibt sich folgendes Bild:

Schreiber I: ›Parzival‹ 1,1–16,2 S. 5a–9a
Schreiber II: ›Parzival‹ 16,3–18,29 S. 9a/b
Schreiber III: ›Parzival‹ 18,30–827,30 S. 10a–288a
  ›Nibelungenlied‹ 2,1–2,4 S. 291a
  ›Nibelungenlied‹ 21,1–392,4 S. 291b–307b
  ›Willehalm‹ 1,1–467,4 S. 561a–691b
Schreiber IV: ›Nibelungenlied‹ 4,1–21,1 S. 291a/b
Schreiber V: ›Nibelungenlied‹ 393,1–2379,4 S. 307b–416a
  ›Klage‹ 1–4357 S. 416a–451b
  ›Karl der Große‹ 1–396 S. 452a–455a
  ›Kindheit Jesu‹ 1–1141 S. 694a–703b
  ›Hinvart‹ 1025–1052/ 1183–1209   (unpag.)
Schreiber VI: ›Karl der Große‹ 397–400 S. 455b
  ›Willehalm‹ 467,5–467,22 S. 691a/b
Schreiber VII: ›Karl der Große‹ 401–12206 S. 455b–558b
Schreiber VIII:     Fr. v. Sonnenburg     5 Strophen S. 693

Die Eigenarten der einzelnen Schreiber lassen sich in der nötigen Kürze folgendermaßen charakterisieren:(52)

Der Hauptschreiber III zeichnet sich durch eine gleichmäßige Buchschrift aus, die in Höhe und Breite ausgewogen ist und für die mutmaßliche Entstehungszeit um die Mitte des 13. Jahrhunderts einen bereits etwas altertümlich wirkenden Duktus aufweist (durch Vermeidung der typisch gotischen ‚Spitzen‘). Charakteristisch sind die einfache und mitunter doppelte Brechung der Schaft-Enden und die kleinen Gabelungen an den Oberschäften. Haarstriche verbinden die einzelnen Buchstaben zu Wortblöcken. Abkürzungen (sogenannte Abbreviaturen) werden selten gebraucht; Ausnahmen bilden der häufig verwendete Nasalstrich in vn̄ und das ra-Kürzel in Wörtern wie spach. Der Laut /u/ wird, wie in der Zeit üblich, durch v wiedergegeben. Diakritische Zeichen begegnen bei (für /uo/) und (für /ou/). Ferner kommen die Umlautbezeichnungen bzw. und vor. Diphthonge (zwei aufeinander folgende Vokale) werden als (für /ev/) und (für /ie/) geschrieben. An Akzenten verwendet der Schreiber Zirkumflex und Akut (zumeist auf Diphthongen und Reimwörtern sowie im Versinneren auf Langvokalen in einsilbigen Wörtern, etwa v̂f).

Nur geringfügig unterscheidet sich Schreiber I von Schreiber III. Er verwendet die Graphien u und v nebeneinander für den Laut /u/ und gebraucht weniger diakritische Zeichen.

Schreiber II und IV treten als Nebenschreiber nur jeweils auf einer Seite auf und liefern damit zu wenig Material für eine genauere Charakterisierung. Doch lässt sich Schreiber IV durch eine kleine, spitze und etwas unregelmäßige Schrift einigermaßen deutlich erkennen. Sein auffälligstes Kennzeichen ist das kurze Minuskel-z mit einem vorne angehängten Zierstrich, der bis unter die Zeile reicht. Weitere typische Merkmale sind die Bogenverbindungen bei do, da, ve. Von diesem Schreiber stammen auch die beiden Fragmente des ›Nibelungenlieds‹ und des ›Parzival‹, die heute in Berlin und Wien aufbewahrt werden (vgl. dazu unten). Schreiber IV könnte Reminiszenzen der ›Nibelungenlied‹-Fassung *C (zu der das Berliner Fragment gehört) im Kopf gehabt haben, als er den kurzen Textabschnitt im Sankt Galler Codex aufgezeichnet hat; als der möglicherweise erfahrenere Schreiber versuchte er wohl mit dem Eintrag der wenigen Strophen dem nachfolgenden Schreiber III ein graphisches Muster vorzugeben, denn die Angehörigen des Skriptoriums waren, wie die Mehrzahl der Texte des St. Galler Codex belegt, eher mit dem Layout von Reimpaardichtungen als mit strophischen Gedichten vertraut.(52a)

Hauptschreiber V zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er in den Reimpaardichtungen der ›Klage‹ und der ›Kindheit Jesu‹ die Verse nicht absetzt – ein zu seiner Zeit bereits aus der Mode gekommenes Verfahren. Seine generell altertümlich wirkende Schrift könnte darauf hindeuten, dass er die Arbeit bereits in einer fortgeschrittenen Lebensphase ausführte. Auffällig ist die vertikalbetonte (in Bayern verbreitete) Schrift, die im Gegensatz zu Schreiber III sehr viel weniger regelmäßig ausfällt. Schreiber V bevorzugt die veraltete Schreibweise von /w/ als Doppel-v und stellt einzelne Buchstaben häufig unverbunden nebeneinander. Charakteristisch ist die Vermeidung von Abkürzungen. Er gebraucht die diakritischen Zeichen und für /uo/ sowie für /au/ (als Diphthong entstanden aus dem mittelhochdeutschen /ū/); Umlaute bezeichnet er mit und . Zirkumflex und Akut begegnen auf betonten Hauptsilbenvokalen und einsilbigen Wörtern (etwa chóm, stets ê). Wie im Schriftbild neigt der Schreiber auch in der Orthographie zur Uneinheitlichkeit. Er lässt ferner einen Hang zu Abschreibefehlern, aber auch zu eigenwilligen Textänderungen erkennen.(53)

Dem Schreiber V steht Schreiber VII nahe, dessen Schrift jedoch insgesamt regelmäßiger ist und gegenüber der vertikalen Ausrichtung zu einer Betonung der Mittelzone tendiert. Die Verse werden konsequent abgesetzt. Neben gängigen Akzentsetzungen durch Zirkumflex und Akut (in Reimwörtern, Diphthongen und einsilbigen Wörtern) fällt die Abneigung gegenüber Abkürzungen (mit Ausnahme eines mitunter verwendeten krummen Nasalstrichs) auf. Häufiger als bei Schreiber V begegnen diakritische Zeichen: Neben und (beide für /uo/ und /au/) erscheinen für /ou/ und die Umlautzeichen , und .



6. Schreibsprache

Die Schreibsprache des Codex weist ein Gemisch aus alemannischen und bairischen Merkmalen auf.(54) Eine genaue dialektale Zuordnung wird dadurch erschwert, dass sich alle Schreiber mehr oder minder konsequent um ein standardisiertes Oberdeutsch bemühten.

Sprachliche Indizien, die auf das Südbairische weisen, zeigen sich in Ansätzen zur Diphthongierung der mittelhochdeutschen Langvokale /ī/, /ǖ/ und /ū/ zu /ei/, /eu/, /au/. Alle Schreiber verwenden, wenn auch nur vereinzelt, das diakritische Zeichen für mittelhochdeutsch /ū/, so besonders in Wörtern wie vͦf, vͦz (mittelhochdeutsch ûf, ûz, neuhochdeutsch auf, aus). Schreiber III gebraucht im ›Willehalm‹ auch vereinzelt die Diphthonge /ei/ (z.B. in leiht) und /eu/ (z.B. in evch für mhd. iuch, dev für mhd. diu, nhd. die), daneben ou (z.B. in ouf, auch oͮf). Möglicherweise schimmert darin eine bairische Vorlage durch, da derselbe Schreiber die Diphthongierung im ›Parzival‹ und ›Nibelungenlied‹ sehr viel zurückhaltender verwendet (Ansätze zur Diphthongierung von mhd. /ǖ/ zeigen die Schreibungen ivͦ und iwͦ).

Weitere schreibsprachliche Eigenarten sind der ausgeprägte /ch/-Konsonantismus für k, c und auslautendes g (etwa in chraft, chvnech, gedenchen, manech, twanch) sowie die altertümlichen Schreibungen sc für /sch/ (z.B. in sciff) und c für /z/ (z.B. in herce, cit). Die Schreiber V und VII neigen zu Konsonantenverdoppelungen (helffen) und pf-Schreibungen für /f/ (chrapft, sharpf). Die Verkürzung von -en zu -n (chomn, niemn) begegnet bei Schreiber III und VII. Bairisches anlautendes p für /b/ (z.B. in perch, plvt) zeigen Schreiber III und V.

Wie Karin Schneider dargelegt hat, verweisen der Stand der Diphthongierung und weitere Eigenarten (etwa der Gebrauch der alten mittelhochdeutschen Diphthonge /ie/, /uo/, /üe/) auf die um die Mitte des 13. Jahrhunderts in Südtirol gepflegte Schreibsprache. Für eine Entstehung in Südtirol spricht nach Schneider auch der in dieser Schreibsprache erfolgte Nachtrag der Strophen des Dichters Friedrich von Sonnenburg (S. 693), der vermutlich aus derselben Gegend (vielleicht Brixen) stammte.(55)

Zu den südbairischen Merkmalen treten einzelne alemannische Züge wie im Demonstrativpronomen diz (neben bairisch dizze), im Verbum stat (›Willehalm‹ 2,19, S. 561b; bairisch: stet) oder in der Pluralform der zweiten Person Präsens ir wellent (›Nibelungenlied‹ 106,3, S. 295b; bairisch: ir wellet). Schreiber IV, der im St. Galler Codex nur knapp eine Seite am Beginn des ›Nibelungenlieds‹ geschrieben hat (S. 291), zeigt besonders in den beiden Fragmenten des ›Nibelungenlieds‹ und des ›Parzival‹ aus Berlin bzw. Wien alemannische Eigenheiten wie die dc-Abkürzung für daz, Pluralformen der zweiten Person auf -ent und das Possessivpronomen sime für sinem. Auch die spätmittelalterlichen Einträge gedenkend an Juditen (umgekehrt am unteren Rand von S. 290) und Gruͤst sigest ein merstern ein hochi muͤt(er) gotz (S. 560) verweisen, wenn nicht auf eine Entstehung, so doch auf eine Aufbewahrung der Handschrift im alemannischen Raum.(56)

Zusammenfassend kann die Schreibsprache als „südöstliches Alemannisch/ südwestliches Bairisch (Südtirol?)“ bezeichnet werden.(57)



7. Nachgetragene Notate

Neben den beiden erwähnten alemannischen Einträgen finden sich in der St. Galler Handschrift weitere nachgetragene Notate.(58)

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang ein Fehler, der Schreiber V unterlaufen ist: Er lässt bei der ›Nibelungenlied‹-Strophe 533 auf S. 314a die letzten beiden Langzeilen aus und hängt die folgende Strophe (deren erste beiden Langzeilen auf Rasur stehen) unmittelbar an. Auf diese Weise gerät in der Folge das Strophensystem durcheinander: der Strophenbeginn liegt nun beim dritten statt beim ersten Vers. Da somit am Ende der Aventiure zwei Verse fehlen, setzt der Schreiber auf S. 316a ein Langzeilenpaar hinzu. Dieses wird durchgestrichen und das fehlende Langzeilenpaar von Strophe 533 (wohl vom selben Schreiber) am Rand von S. 314a nachgetragen.

Streng genommen könnten zu den nachgetragenen Notaten auch die auf S. 693 aufgezeichneten Strophen Friedrichs von Sonnenburg gerechnet werden, von denen bereits weiter oben die Rede war.

Aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammen auch einzelne zum Teil durch den Schnitt verstümmelte Marginalien. Sie finden sich auf S. 360 und 362 (-ach swenne, boten solden zum ›Nibelungenlied‹), S. 558 (daz Karl zu ›Karl dem Großen‹), S. 671 (-anich leben zum ›Willehalm‹).

Aus etwa derselben Zeit stammt auf S. 558 am Ende von Strickers ›Karl‹ eine unvollständige Reimparaphrase der zehn Gebote, die mit den Worten -ot von himel aleine. Soltu mit triwen meinen beginnt. Die Initiale G zum Wort Got, für die Platz ausgespart wurde, blieb dabei unausgeführt.

Unterhalb davon hat eine Hand, die dem 15. Jahrhundert zuzuordnen ist, den Vers Ein got vnd dri genende ergänzt, der sich bei verschiedenen Spruchdichtern findet.(59) Von derselben Hand stammen weitere Federproben auf S. 558f. (etwa Nu sag) und die Einträge in alemannischer Mundart: die ‚Erinnerung‘ an Judith von S. 290 (Leerseite am Ende der letzten Lage des ›Parzival‹) und der Mariengruß Gruͤst sigest ein merstern ... von S. 560 (Leerseite am Beginn der ersten Lage des ›Willehalm‹). Bei dem zuletzt genannten Notat hat sich die noch frische Tinte auf der gegenüberliegenden Seite abgedruckt (Leerseite am Ende der letzten Lage von Strickers ›Karl‹). Hieran zeigt sich, dass beide Teile zum Zeitpunkt des Eintrags bereits zusammengebunden waren (vgl. auch oben).

Ebenfalls auf S. 560 befindet sich die Zeichnung einer fünfblättrigen Blume von bescheidener Qualität; gezeichnete Hörner und Posaunen begegnen gelegentlich auch in Strickers ›Karl‹ (S. 512, 520).

Die im 16. Jahrhundert von Aegidius Tschudi angebrachten Annotationen wurden bereits oben erwähnt.

Unter den nachgetragenen Notaten finden sich außerdem mehrere Überschriften.

Reste einer wohl noch im 13. Jahrhundert eingefügten Überschrift stehen zuoberst auf der ersten Seite des ›Parzival‹ mit den Namen Gagmvret und Herze<loy>d<e> (S. 5).(60) Auf derselben Seite hat eine moderne Hand den Titel Der Parcival eingetragen. Moderne Überschriften stehen ferner am Beginn des ›Nibelungenlieds‹ (Der Nibelunge Not, S. 291) und der ›Klage‹ (Div Chlage, S. 416).(61)



8. Layout und Buchschmuck

Zusammen mit den paläographischen und sprachlichen Indizien sind auch jene des Layouts und des Buchschmucks für eine genauere Charakterisierung des Codex aufschlussreich.

Die Verse des ›Parzival‹, ›Karl‹ und ›Willehalm‹ sind abgesetzt, jene des ›Nibelungenlieds‹, der ›Klage‹ und der beiden religiösen Epen fortlaufend geschrieben. Beim ›Nibelungenlied‹, das im Gegensatz zu den Reimpaardichtungen des Codex strophisch gegliedert ist, sind die Strophen mit Ausnahme der ersten Seiten (S. 291f., zum Teil S. 293) abgesetzt. Der Eintrag mit abgesetzten Versen bzw. Strophen ist dabei der modernere, das Verfahren hat sich – nach französischem Vorbild – im deutschsprachigen Raum in den Jahren 1215 bis 1240 durchgesetzt. Bei den fortlaufend geschriebenen Texten können die jeweils am Versende gesetzten Reimpunkte beim Lesen als Strukturhilfe dienen.(62)

Innerhalb der einzelnen Texte des Codex erfolgt eine Gliederung durch Initialen, doch fallen die Gliederungsverfahren dabei recht unterschiedlich aus.(63)

Der ›Parzival‹ ist durch 24 Großinitialen in 22 Abschnitte gegliedert. Am Beginn der Dichtung (Parzival 1,1 und 3,25, S. 5a/b) und bei der Wiederaufnahme der Gawan-Erzählung (503,1 und 504,1, S. 144a) stehen jeweils zwei Großinitialen auf einer Seite. Karl Lachmann orientierte sich bei seiner Einteilung der Dichtung in 16 Bücher unter anderem an den Initialen des St. Galler Codex. Die über die Zahl 16 hinausgehenden Initialen betreffen Unterabschnitte, die der Herausgeber des ›Parzival‹ im Hinblick auf die Bucheinteilung unberücksichtigt ließ.

Für die Großinitialen haben die Schreiber in der Regel einen viereckigen Leerraum (ca. 29 x 25 mm) innerhalb des Textblocks freigelassen, der sich zumeist über sechs (am Spaltenanfang über fünf) Zeilen erstreckt; die Verse wurden dabei in den freien Platz zwischen den beiden Spalten oder an den rechten Rand der Textseite verschoben. In einem gesonderten Arbeitsgang hat der Illuminator dann den Leerraum mit der Initiale ausgefüllt.

Die Leerräume für die beiden Initialen am Beginn der Dichtung (S. 5) wurden etwas großzügiger angelegt. Wegen der starken Abnutzung der ersten Seite sind die Initialen hier in sehr schadhaftem Zustand erhalten. Die erste Initiale (Buchstabe I) ist ‚belebt‘, da sie sich nicht auf Ornamentik beschränkt, sondern eine Figur, offenbar einen Ritter, zeigt (eine genauere Bestimmung der Gestalt, von der man Hände und Beine erkennen kann, ist wegen des schlechten Erhaltungszustands nicht möglich).(64) Eine weitere ‚belebte‘ Initiale (Buchstabe A) kommt am Schluss der Dichtung vor: Sie leitet das Buch XVI des ›Parzival‹ ein (787,1, S. 276b), steht am Beginn des Namens Anfortas und zeigt ebenfalls einen Ritter.

Die übrigen Ornamentinitialen haben einen farbigen, verzierten Buchstabenkörper und sind auf einem hochpolierten Blattgoldgrund aufgetragen; das zumeist durch Palmetten und Akanthusblätter verzierte innere Feld ist mit leuchtenden Deckfarben ausgemalt. Beim Buchstaben W ist in umgekehrter Weise ein goldfarbiger Buchstabenkörper auf farbigen Grund gemalt (S. 82a, 144a, ähnlich später im ›Willehalm‹, S. 606b, jedoch mit abgeblättertem Gold). Eine weitere Technik besteht darin, das innere Feld der Initiale mit kontrastierenden Farben zu unterteilen und mit weißer Fleuronnéeverzierung zu übermalen (so bei S. 82a und 114b, ähnlich im ›Nibelungenlied‹, S. 327b, 342b).

Üppiges Fleuronnée ist bis auf wenige Ausnahmen auch außerhalb der Initialkörper angebracht und erstreckt sich jeweils am Rand bzw. zwischen den Textspalten nach oben oder unten. Mitunter ist an die äußere Fleuronnéeverzierung ‚belebtes‘ Material in Form von Federzeichnungen angehängt (Vögel, bes. Störche, Drachen, Hände, vgl. S. 54a, 75a, 166a). Bei der in deutschsprachigen Handschriften des 13. Jahrhunderts sonst nicht nachgewiesenen Verwendung des Fleuronnée handelt es sich um eine aus der französischen Buchdekoration übernommene Mode.

Die äußere Verwendung des Fleuronnée begegnet auch bei einem kleineren Initialtyp, den sogenannten Lombarden (etwa am Übergang des siebten zum achten Buch, S. 114f., im Nebeneinander von Lombarden und Großinitiale; Fleuronnéeschmuck bei den Lombarden begegnet ferner in der dritten und achten Lage). Durch die abwechselnd blau und rot gefärbten Lombarden von etwa zweifacher Zeilenhöhe ist der Text des ›Parzival‹ in kleinere Einheiten untergliedert, die teilweise, jedoch nicht immer mit den von Karl Lachmann in seiner Ausgabe eingeführten Dreißiger-Abschnitten übereinstimmen. Die Lombarden finden jeweils in der links neben den Textspalten eingerichteten Kolumne Platz (Außenkolumne bei der linken, Leerkolumne zwischen beiden Spalten bei der rechten Spalte). Der nachfolgende Text ist nur geringfügig (um die Breite eines halben bis maximal zweier Buchstaben) eingerückt. Häufig lassen sich bei den Lombarden (wie auch bei jenen späterer Textabschnitte) noch die Vorzeichnungen der Buchstaben durch die Schreiber erkennen – sie dürften auch bei den Zierinitialen bestanden haben, sind hier aber durch die aufgetragene Farbe verdeckt.

Eine noch detailliertere Feinstruktur des Textes deutet sich durch die Setzung von Majuskeln am Versbeginn an, die – sofern sie nicht bei groß geschriebenen Namen stehen – weitere Unterabschnitte bezeichnen können (vgl. z.B., jeweils im ›Parzival‹, 395,17, S. 114a: Der kvnec mit chvsse enpfangen wart; 399,11, S. 115a: Disiv bvrch was gehert so; 400,19, S. 115b: Ein Reiger tet dvrch flvht entwich).

Im ›Nibelungenlied‹ finden sich 37 farbige Goldgrundinitialen von vier- bis achtfacher Zeilenhöhe zur Einleitung der 39 Aventiuren. Eine Initiale (am Beginn der 18. Aventiure, S. 340b) wurde, obwohl der Schreiber Platz aussparte, vom Illuminator nicht zur Ausführung gebracht. Bei einer weiteren Aventiure (27, Strophe 1650, S. 372b) hat der Schreiber keinen Raum für eine Initiale gelassen. Unter den Großinitialen sind vier ‚belebte‘ Initialen. Die erste steht am Beginn des ›Nibelungenlieds‹ und zeigt eine Figur, die mit der linken Hand den aus der antiken Rhetorik bekannten Gestus des Redeanfangs vollzieht (2,1, S. 291a).(65) Drei weitere Initialen sind mit männlichen Figuren ausgemalt, zwei davon erscheinen als Brustbild, eine im Halbprofil (1718,1, S. 376a; 2028,1, S. 393b; 2324, S. 411b).(65a) An anderen Stellen sind in die Initialen Tiere eingemalt (etwa ein Drache am Beginn der 7. Aventiure, S. 307b). Fleuronnéeverzierung begegnet regelmäßig ab der 3. Lage (S. 323).

Die drei an der Niederschrift beteiligten Schreiber (III, IV, V) sind im Hinblick auf die von den Illuminatoren einzufügenden Initialen recht unterschiedlich verfahren.

Schreiber III, in dessen Bereich die Anfänge der Aventiuren 1 und 3 bis 7 fielen, rückte die ersten drei bis fünf Zeilen der beginnenden Aventiure ein und ließ nach der vorausgehenden Aventiure zwei bis drei Zeilen frei, um für die Initiale Platz zu schaffen. Der neben dem oberen Teil der Initiale frei bleibende Raum war den ersten Worten der Strophe vorbehalten, die als farbige, mit Fleuronnée verzierte Unzialbuchstaben in zwei- bis dreifacher Zeilenhöhe geschrieben werden sollten. Diese Worte fehlen jeweils im Texteintrag des Schreibers. Der Maler hat sie nur am Beginn der 3., 4. und 5. Aventiure (S. 292b, 296b, 302a) in Zierbuchstaben eingetragen. Das Verfahren des Unzialeintrags folgt jenem in lateinischen Prachthandschriften (besonders zur Liturgie) und ist in deutschen Handschriften der Zeit sonst nicht auszumachen. Am Beginn der 1., 6. und 7. Aventiure (S. 291a, 305a, 307b) unterblieb die Beschriftung mit Unzialen, so dass hier die entsprechenden Eingangsworte fehlen. Der Anfang des ›Nibelungenlieds‹ (Strophe 2,1, S. 291a) wäre mit z wͦhs (für den auf Kriemhild bezogenen Eingang Ez wuochs in Burgonden ...) zu ergänzen.

Schreiber IV musste bei seinem kurzen ‚Gastspiel‘ nur einmal auf eine Initiale Rücksicht nehmen: Am Beginn der 2. Aventiure (S. 291b) rückte er bereits die letzte Zeile des vorausgehenden Abschnitts ein, ließ dann eine Zeile frei und zog bei der neuen Aventiure die ersten vier Zeilen für die zu malende D-Initiale ein. Der folgende (auf Siegfried bezogene) Text schließt, ohne Auslassung für Unzial-Buchstaben, unmittelbar an: [D]O wͦhs in Niderlanden ... Möglicherweise veranlasste diese Irregularität den Hauptschreiber III, seinen Kollegen abzulösen und die Niederschrift wieder selbst zu übernehmen. Die vom Illuminator eingetragene D-Initiale schlängelt sich, nach oben und unten auslaufend, den auf S. 291 sehr engen Leerraum zwischen beiden Spalten entlang. Da auf dieser Seite sowohl die erste wie auch die 2. Aventiure des ›Nibelungenlieds‹ beginnen, kommen hier, wie am Beginn des ›Parzival‹, zwei Schmuckinitialen zu stehen.

Schreiber V, der die Niederschrift ab S. 307b, kurz nach Beginn der 7. Aventiure, übernahm, und dann den Rest des ›Nibelungenlieds‹ und die ›Klage‹ schrieb, rückte am Aventiure-Anfang jeweils drei Zeilen für die zu malende Initiale ein. Im Raum neben der Initiale zog er häufig das erste Wort auseinander, schrieb es zum Teil mit Majuskeln und ließ oft auch das folgende Wort mit einer Majuskel beginnen. Ab S. 340 (Beginn der 18. Aventiure) ließ der Schreiber in der Regel eine Zeile vor Beginn der neuen Aventiure leer. Eintragungen in Unzialschrift hat er offenbar nicht vorgesehen. Bei dem nicht ausgesparten Platz für die Initiale zur 27. Aventiure (S. 372b, Strophe 1650) dürfte es sich um einen Lapsus handeln.

Dass Schreiber V bei der 8. bis 17. Aventiure mit einer Ausnahme (10. Aventiure, S. 316a) keine Leerzeile zwischen den einzelnen Textabschnitten ließ, deutet zusammen mit den auch sonst eher engen Platzverhältnissen darauf hin, dass in der Handschrift keine Aventiure-Überschriften vorgesehen waren, wie sie in anderen Textzeugen des ›Nibelungenlieds‹, etwa auch im Berliner Fragment 44, begegnen.

Als weitere Gliederungsmittel werden wie im ›Parzival‹ blaue und rote Lombarden von ein- bis anderthalbfacher Zeilenhöhe verwendet. Der nachfolgende Text ist hier – zumeist weiter als beim ›Parzival‹ – um etwa zwei bis drei Buchstaben eingerückt. Schreiber III hat die Lombarden in unregelmäßigen Abständen an den Beginn einzelner Strophen gestellt, auf S. 292, wo die Strophen nicht abgesetzt sind, auch mitten in die Zeile. Eine striktere Ordnung hat Schreiber V eingeführt, indem er ab etwa S. 313 zumeist jede dritte Strophe mit einer farbigen Lombarde beginnen ließ. Alle übrigen Strophenanfänge wurden von den Schreibern mit vor die Zeile gerückten Majuskeln (Versalien) ausgezeichnet.

Das ›Nibelungenlied‹ endet auf S. 416a mit den Worten diz ist der Nibelunge NOT, wobei der Schreiber hier auch das letzte Wort der Strophe – und damit den Schluss des Gedichts – durch das Auseinanderziehen der Buchstaben und durch Majuskeln markiert hat. Die unmittelbar anschließende ›Klage‹ beginnt mit einer vergoldeten, halb vom Zeilenrand herausgerückten Großinitiale von vierfacher Zeilenhöhe. Der Schreiber hat dafür eine Zeile leer gelassen und drei Zeilen eingerückt. Dieser Typ entspricht jenem der Zierinitialen im ›Nibelungenlied‹. Als weitere Gliederungsmittel begegnen rote und blaue Lombarden, die kaum größer als eine Zeile sind, sowie Versalien.

Wie die ›Klage‹ weist auch Strickers ›Karl‹ eine vergleichsweise unprätentiöse Abschnittsgliederung auf. Es finden sich nur drei Zierinitialen, eine am Beginn (S. 452a), zwei weitere an markanten Stellen der Dichtung (der sterbende Roland tötet einen Heiden: v. 8095, S. 521b; Karl erschlägt Paligan: v. 10271, S. 541a). Für den Buchstabenkörper der auf Goldgrund aufgetragenen Initialen (zwei I und ein D) wird der Text nur um wenige Buchstaben eingerückt. Als weitere Gliederungsmittel dienen rote und blaue Lombarden von etwa zweifacher Zeilenhöhe.

Besonders prächtig sind die 13 Zierinitialen im Bereich des ›Willehalm‹ gestaltet, die wiederum Lachmann bei seiner Einteilung der Dichtung in neun Bücher als Orientierung dienten – hier mit einem ‚Überschuss‘ von fünf Initialen, da Lachmann den Beginn des 6. Buches an einer Stelle ansetzt, die im St. Galler Codex nicht durch eine Zierinitiale, sondern nur durch eine (unausgeführte) Lombarde bezeichnet ist (S. 636b, Vers 269,1: -ach soͤlh gelvbde ein ende han.). Die Initialen nehmen zumeist die ganze Spaltenbreite ein, erstrecken sich über 12 bis 15 Textzeilen und sind mit farbigem Pflanzen- und Blattwerk aufwendig geschmückt. Charakteristisch ist die Ergänzung durch zumeist vertikal herausgestreckte, mit Fleuronnée verzierte Unzialbuchstaben, die anders als im ›Nibelungenlied‹ eine Höhe von bis zu sechs Zeilen einnehmen können.

Die kostbarste Initiale befindet sich auf der Versoseite, mit der die Dichtung beginnt (S. 561a). Sie hat eine Länge von etwa 22 Zeilen und stellt den auf Goldgrund aufgetragenen Buchstaben A dar. In Verbindung mit den hier unterhalb der Initiale eingetragenen Unzialbuchstaben ist der erste Vers des ›Willehalm‹ zu lesen: ANE VALSC DV REINER. Eine ‚belebte‘ Initiale zeigt das Bild des Markgrafen Willehalm (S. 639a): Das einleitende D auf Goldgrund ergibt zusammen mit den goldenen, auf blau-roten Feldern aufgetragenen Unzialbuchstaben die Worte DER MARCHGRAUE. Anders als im ›Parzival‹, wo die Initialgliederung einen Strukturplan der Dichtung erkennen lässt, bleibt die Initialgliederung beim ›Willehalm‹ vorläufig, was jedoch einen Status nascendi des vom Dichter unvollendet hinterlassenen Textes widerspiegeln könnte.

Der weiteren Feingliederung dienen rote und blaue Lombarden von etwa zweifacher Zeilenhöhe, die wiederum teilweise der Lachmannschen Einteilung in Dreißiger-Abschnitte entsprechen; hinzu treten Versalien.

Die erhaltenen Blätter der ›Kindheit Jesu‹ werden von einer ‚belebten‘ Goldgrundinitiale (G, S. 694a) eingeleitet, die ähnlich wie die Initialen im ›Nibelungenlied‹ (S. 376a, 393b) ein männliches Brustbild zeigen. Da der Kopf hier nimbiert ist, könnte es sich um eine „Darstellung des Jesusknaben“ handeln.(66) Die nicht abgesetzten Verse werden durch rote und blaue Lombarden gegliedert, wie dies auch in dem erhaltenen Fragment von ›Unser vrouwen hinvart‹ geschieht. Letzteres zeigt in dem Schlusswort (Abrahames) SCHOZ dieselbe gedehnte Majuskelschrift, die Schreiber V auch am Ende des ›Nibelungenlieds‹ (S. 416a) gebraucht. Das in ›Unser vrouwen hinvart‹ folgende, über eine ganze Zeilenlänge ausgedehnte Wort AMEN und der sich anschließende Schreibervers Sancti sp(iritus) assit nobis gr(ati)a (aus der Pfingstsequenz Notkers I. von St. Gallen) wären als Abschluss-Signale nicht nur der Dichtung, sondern der gesamten Handschrift deutbar. Man könnte darin ein Indiz sehen, dass ›Unser vrouwen hinvart‹ programmatisch als letzter Text des Codex geplant war.(67)


Der Initialschmuck ermöglicht es, den St. Galler Codex in einen Verbund mit weiteren illuminierten Handschriften und Zeugnissen der Malerei zu stellen. Es ist das Verdienst der Kunsthistorikerin Ingrid Hänsel-Hacker, erstmals auf diesen nach Oberitalien weisenden Zusammenhang aufmerksam gemacht zu haben.(68) Mit Bezug auf den Schreiber des Paduaner Epistolars namens Giovanni da Gaibana wird in der Forschung auch vom Stil des Gaibana-Meisters und seines Umfelds gesprochen. Zu der Gruppe gehören neben dem St. Galler Codex:


Padua, Biblioteca Capitolare, Ms. E 2

Ein Epistolar aus der Sakristei des Paduaner Doms, Pergament, 104 Bll., 28 x 18,7 cm, datiert auf 1259.(69)

Wie sich aus einem Autorportrait und einem Schreibergedicht ergibt, wurde die für die Lesung der Apostelbriefe in der Messe bestimmte Handschrift von Giovanni da Gaibana 1259 in Padua geschrieben. Sie enthält 16 ganzseitige Miniaturen, 39 reich verzierte Initialen und zahlreiche Filigranbuchstaben, die von einem Illuminator stammen, der nicht mit dem Schreiber Giovanni da Gaibana identisch ist.


Lissabon, Museu Calouste Gulbenkian, Inv.-Nr. L.A. 222

Ein Missale aus dem Benediktinerkloster Admont (ehem. Cod. H. 107) in der Steiermark, Pergament, 241 Bll., 30 x 22 cm, vor 1270.(70)

Der Bezug zum Kloster Admont ergibt sich u.a. aus einem Offizium für den Gründer Erzbischof Gebhart von Salzburg. Die Handschrift enthält ein Vollbild, drei Zierblätter und 100 Initialen, die mit dem Stil der Miniaturen im Paduaner Epistolar weitgehend übereinstimmen. Sie dürften von einem Maler stammen, der seine Ausbildung in derselben Schule erhalten hat. Die Handschrift galt vor dem Erwerb für die Sammlung Gulbenkian lange als verschollen. Aufgrund eines Wasserschadens ist das Manuskript in Einzelblätter aufgelöst; der Text ist stark verblasst, während sich die Miniaturen vergleichsweise gut erhalten haben (Mitteilung von Nigel F. Palmer).


New York, Pierpont Morgan Library, M. 855

Missale für das Benediktinerkloster Seitenstetten, Pergament, 220 Bll., 32,5 x 22,5 cm, 2. Hälfte d. 13. Jhs.(71)

Verweise im Kalender deuten auf den Gründer von Seitenstetten, Udalschalk von Stille, und auf die Klosterweihe am 3. November 1100. Die Miniaturen und Initialen der Handschrift wurden von drei Künstlern hergestellt, von denen der führende Maler einen deutlichen Bezug zu der im Paduaner Epistolar fassbaren Schule erkennen lässt.


St. Paul im Lavanttal (Kärnten), Stiftsbibliothek, XXV–1

Paulusbriefe mit dem Kommentar des Petrus Lombardus, Pergament, 45 x 27,5 cm, 1260–1280.

Die Handschrift, deren ursprünglicher Bestimmungsort nicht bekannt ist, enthält mehrere mittelgroße Initialen mit kleinen, zumeist mehrfigürlichen Bildern, deren Stil jenem des Admonter Missale sehr nahe kommt. Die Schrift deutet auf eine Herstellung nördlich der Alpen.


Cambridge (UK), Fitzwilliam Museum, Ms. 36–1950

Privatpsalterium, Pergament, 147 + 1 Bll., 34,7 x 24,3 cm, wohl Breslau 1255–1266.(72)

Die mutmaßliche Lokalisierung und Datierung der Handschrift ergeben sich aus der Bitte in einer Litanei, die sich auf eine Frau und deren Gemahl Heinrich bezieht. Zusammen mit der Anrufung des Breslauer Lokalheiligen Vincentius und der hl. Clara (kanonisiert 1255) lässt sich erschließen, dass Helene, Gemahlin des schlesischen Herzogs Heinrich III. (gest. 1266), Erstbesitzerin des Psalters war. Die Nähe zum Paduaner Epistolar von 1259 zeigt sich in 29 Festbildern und zehn Prachtinitialen. Zumindest einer der beiden an der Herstellung beteiligten Künstler dürfte aus derselben Schule wie jener des Epistolars stammen.


Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 1898

Psalterium, Pergament, 253 Bll., 19,2 x 14 cm, um 1270.(73)

Der Entstehungsort dieser Handschrift, die einen dominikanischen Festkalender enthält, ist unbekannt. Unter den Miniaturen, Initialen und Kapitalbuchstaben zeigen die ersten drei Illustrationen zu den Psalmen 1, 26 und 38 typische Merkmale der aus dem Paduaner Epistolar erschließbaren Schule.


Oxford (GB), Bodleian Library, Ms. Canonici liturg. 370

Psalterium, Pergament, 143 Bll., 33,5 x 23,6 cm, Padua, 1266.(74)

Gemäß einer Notiz wurde die Handschrift wie das Paduaner Epistolar von Giovanni da Gaibana geschrieben. Aus den verzeichneten Seelenmessen ergibt sich der Bezug zu Padua. Die stilistische Nähe zum Epistolar ist aus den hier insgesamt weniger qualitätvollen Initialen noch ersichtlich.


Privatbesitz

Antiphonar, Pergament, 253 Bll., 42,2 x 29,2 cm, Venedig, zwischen 1230 und 1250.(75)

Es handelt sich um ein Antiphonar, das mit der Basilica von San Marco in Beziehung gebracht werden kann. Die Handschrift enthält 25 ‚belebte‘ und 14 Zierinitialen, die jenen des Paduaner Epistolars und des Admonter Missale sehr ähneln. Von der Datierung her ist das Manuskript als Vorläufer des Paduaner Epistolars anzusehen.


Zwei Täfelchen in Basler Privatbesitz

Flügel eines kleinen Reliquienaltärchens, 18,5 x 7 cm.

Die beiden winzigen Tafelbilder mit Darstellungen der Geißelung und Kreuzigung Christi sowie der Heiligen Petrus und Paulus dürften vom Miniator des Paduaner Epistolars stammen.


Matrei (Osttirol), Kirche St. Nikolaus

Fresken, 13. Jh.

Darstellungen von der Erschaffung, vom Fall und der Erlösung der Welt, Szenen aus dem Leben des Patriarchen Jakob und des hl. Nikolaus.


Neben diese Zeugnisse aus dem geistlichen Bereich treten ferner norditalienische Handschriften mit Texten altprovenzalischer Trobador-Lyrik.(76) Wie sich in der jüngeren Forschung gezeigt hat(77), lassen ihre mit Autorbildern verzierten Initialen teilweise eine stilistische Verwandschaft mit den Initialen des St. Galler Codex 857 erkennen:


New York, Pierpont Morgan Library, M. 819

Trobador-Handschrift N, Pergament, 293 + 3 Bll., 26,1 x 19,1 cm, späteres 13. Jh.(78)


Paris, Bibliothèque Nationale, ms. fr. 854

Trobador-Handschrift I, Pergament, 201 + 4 Bll., 31 x 22,5 cm, späteres 13. Jh.(79)


Paris, Bibliothèque Nationale, ms. fr. 12473

Trobador-Handschrift K, Pergament, 199 + 1 Bll., 33,8 x 23,2 cm, späteres 13. Jh.(80)


Paris, Bibliothèque Nationale, ms. fr. 12474

Trobador-Handschrift M, Pergament, 269 + 10 Bll., 24 x 19 cm, späteres 13. Jh.(80a)


Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Vat. lat. 5232

Trobador-Handschrift A, Pergament, 216 + 2 Bll., 38 x 25 cm, späteres 13. Jh.(81)

 


Unter den angeführten Handschriften besteht insbesondere bei den Miniaturen des Admonter Missale(82), des Breslauer Privatpsalteriums (heute Cambridge) sowie bei den Initialen der Trobador-Handschriften New York, Pierpont Morgan Library, M. 819, und Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Vat. lat. 5232,(83) eine auffallende Nähe zum Initialschmuck des St. Galler Codex.(84) Alle angeführten Zeugnisse zeichnen sich mehr oder weniger deutlich durch byzantinische Einflüsse aus. Die Zugehörigkeit des venezianischen Antiphonars(85) zu der Gruppe zeigt überdies, dass der Schwer- bzw. Ausgangspunkt der Produktion nicht zwingend in Padua gelegen haben muss. Vielmehr kommt die Stadt Venedig als Vermittlungsort infrage, die nach der Eroberung Konstantinopels von 1204 einen starken wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung erlebte. Die dabei wirksame Aufnahme der byzantinischen Kultur dürfte über Verkehrs- und Handelswege nach Norden bis über die Alpen ausgestrahlt haben. Auf solchen Bahnen könnten Maler einer venezianisch-paduanischen Schule in den Alpenraum gelangt sein und sich dort mit der Anfertigung von Miniaturen, Fresken und Kleinbildern beschäftigt haben.

In der St. Galler Handschrift deuten Verschreibungen bei den Initialen darauf hin, dass die Illuminatoren den Text nicht recht verstanden und die einzutragenden Initialen oft nur in ihrer ornamentalen Funktion wahrgenommen haben. Mitunter werden falsche Buchstaben gesetzt, etwa ein S anstelle eines I bei der 7. Aventiure des ›Nibelungenlieds‹ (S. 307b), wo auch die vom Schreiber vorgesehenen Unzialbuchstaben (In der selben zite do) fehlen. Unsicherheiten zeigt ferner die Schreibung im ersten Vers des ›Willehalm‹ (S. 561a), wo beim zweiten Wort nicht ganz sicher ist, ob VALSC oder VASC zu lesen ist. Ebenso unklar bleibt auch der Initial-/Unzial-Eintrag EZ NÆT NU URU am Beginn des 5. Buches des ›Willehalm‹ (S. 621b, für 215,1: Ez næhet nu vreude und klage).

Aus solchen Indizien wäre die Fremdsprachigkeit der Miniatoren erschließbar. Die Verschreibungen könnten allerdings auch darauf hindeuten, dass der Kontakt zwischen Malern und Schreibern nur lose war, ja dass zwischen der Beschriftung des Codex und dem Initialschmuck eine mehrjährige Pause lag.(86) Auch der umgekehrte Weg wäre unter solchen Voraussetzungen denkbar: Der Codex könnte im Alpenraum geschrieben und danach an eine norditalienische Werkstätte zur Illumination übergeben worden sein.

Im Blick auf den handschriftlichen Kontext der Initialtechnik ergeben sich Hinweise für die Lokalisierung und Datierung der Handschrift, die den paläographischen Befund ergänzen. Lokal bestätigt sich die über die Schreibsprache erkennbare Kontaktzone innerhalb des westlich-alemannischen und östlich-bairischen Alpenraums. Einige der angeführten Handschriften weisen einen deutlichen Bezug nach Oberösterreich und in die nördliche Steiermark auf. Auch für Salzburg fänden sich Argumente, etwa mit der Gestalt des Salzburger Erzbischofs Vladislav (1265–1270), des Bruders des schlesischen Herzogs Heinrich III., dessen Gattin Helene vermutlich die Besitzerin des in Cambridge aufbewahrten Psalteriums war. Vladislav wurde 1265 aus Padua, wo er studierte, nach Salzburg berufen und könnte dort oberitalienische Maler zur Illumination von Handschriften angestellt haben.(87)

Neben dieser Möglichkeit steht aber auch Südtirol zur Diskussion. Mundartliche Eigenheiten wie der gegenüber Salzburger Sprachgewohnheiten weniger fortgeschrittene Stand der Diphthongierung würden für diese Region sprechen.(88) Am Südfuß der Alpen hätte sich der Kontakt zu Malern in Oberitalien sicher ebenso zwanglos ergeben wie am Hof des aus Padua berufenen Salzburger Erzbischofs.

Für die Datierung liefert der Blick auf die Initialen des St. Galler Codex präzisere Anhaltspunkte. Unter paläographischen Gesichtspunkten ist – bei angemessener Berücksichtigung der individuellen (und altersbedingten) Eigenheiten der Schreiber – von einer Entstehung „nicht später als im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts“(89) auszugehen. Die kunsthistorischen Zusammenhänge weisen mit dem sicher datierbaren Epistolar aus Padua auf die Zeit um 1259. Die in der Illuminationstechnik verwandten Handschriften sind wenige Jahre später anzusetzen, das Psalterium aus Cambridge zwischen 1255 und 1266, jenes aus Oxford wohl ebenfalls um 1266, das Admonter Missale spätestens um 1270. Mit Rücksicht auf diese Datierungen und unter Einbezug des aus den paläographischen Besonderheiten resultierenden Zeitansatzes wird man die Entstehung der St. Galler Handschrift mit Nigel F. Palmer nicht sehr viel später als „um 1260“ ansetzen dürfen.(90)



9. Die verwandten Fragmente aus Berlin und Wien

Die beiden heute in Berlin und Wien aufbewahrten Fragmente zum ›Nibelungenlied‹ und zum ›Parzival‹ stammen aus derselben Zeit und aus demselben Skriptorium wie der St. Galler Codex. Die Schrift ist mit hoher Wahrscheinlichkeit mit jener des Schreibers IV identisch, der am Beginn des ›Nibelungenlieds‹ (S. 291a/b) in Erscheinung tritt. In beiden Fragmenten findet sich u.a. das charakteristische Minuskel-z mit dem vorne angehängten Zierstrich (vgl. oben). Die beiden Handschriften weisen jedoch, sofern sich dies in der fragmentarischen Ausschnitthaftigkeit erkennen lässt, nicht denselben Einrichtungsstandard und Initialschmuck wie der St. Galler Codex auf.

Das Bruchstück Berlin, Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Fragm. 44 (›Nibelungenlied‹-Handschrift E),(91) ist 1534 im Besitz des elsässischen Ritters Zorn von Plobsheim nachweisbar und gehörte vor dem Ankauf durch die Berliner Staatsbibliothek (1937) dem Freiherrn Karl von Röder zu Offenburg. Es handelt sich um ein leicht beschnittenes Doppelblatt aus der Mitte einer Lage, das waagrecht unterhalb der Mitte geknickt ist. Die Größe der beiden Pergamentblätter beträgt 23 x 16 cm, der Schriftspiegel 18 x 11 cm.

Die Blätter sind einspaltig mit 34 Zeilen pro Seite beschrieben, die Strophen und Verse nicht abgesetzt. Die strophische Gliederung ergibt sich durch einen etwa vier Buchstaben breiten Raum zwischen den einzelnen Strophen sowie durch Anfangsmarkierungen mittels rubrizierten Majuskeln und abwechselnd roten und grünen (ehemals blauen?) Lombarden. Zur Strukturierung tragen außerdem Vers- und Zäsurpunkte bei. Eine Rubrizierung begegnet auch bei Namen und gelegentlich bei Versanfängen. Als Abkürzungen erscheinen er-Häkchen, Nasalstrich, abgekürztes ra und hochgestelltes e nach d.

Auffällig ist die mit dem Buchstabenkörper sechs (mit den Ausläufern bis zu 18) Zeilen hohe M-Initiale auf Bl. 1v. Sie hat einen rot-grünen, durch ausgespartes Wellenband und Treppendekor geteilten Buchstabenkörper, der durch Fleuronnée-artigen schaftbegleitenden Bogenschmuck verziert ist und dessen Schaft-Enden in runde, dreigliedrige Blätter münden. Mit dieser Eigenart ähnelt die Initiale den rot-blau gespaltenen Initialen der Nibelungenhandschrift C (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 63).

Auch im Text ergeben sich Bezüge zur Fassung *C, welche durch diese Handschrift repräsentiert wird. Das Fragment (Hs. E) umfasst den Abschnitt 251,3 bis 297,4 und schließt damit den Beginn der 5. Aventiure ein. Deren Titel steht als rote Überschrift neben der Initiale von Bl. 1v: Avent(vr). wie Sivrit. Chriemhilde alrerste ersach. Im St. Galler Codex (Hs. B) fehlt die Überschrift gemäß den dort herrschenden Gepflogenheiten.

In den Varianten der Textzeugen B und E deuten sich mitunter Eigenheiten mündlicher Erzähltraditionen an. So kommt es zu Abweichungen bei formelhaften Wendungen wie ob îemem wnscen solde der chvnde niht ge iehn (B) und swer so wͤnscen solde. d(er)ne chvnde niht geiehn (E, 282,3), ferner bei Namenumschreibungen wie (für Kriemhild) der scoͤnen Vͦten kint (B) und daz wͤnnechliche kint (E, 291,3) oder bei Epitheta wie dem herrn (B) und dem edelen (E, 284,4). Variant sind auch die häufig verwendeten Heldenwörter, etwa in manegem helde (B) und manegem degene (E, 274,4), vor allen disen rechen (B) und vor allen disen degenen (E, 288,4).

Sinnunterschiede zeichnen sich in den eher höfisch geprägten Passagen ab, etwa wenn der Burgundenkönig Giselher auswärtige Gäste empfängt: di geste mit den chvnden (B) – di vremd(e)n vn(t) ir mage (E, 267,2). Siegfrieds aufkeimende Minne zu Kriemhild wird mit gegensätzlichen Symptomen zum Ausdruck gebracht, die in B somatischer, in E mentaler Natur sind: er wart von den gedanchen vil diche bleich vnd rot (B) und er hete vo(n) ir scvlden. toͮgen lieb vn(t) not (E, 285,4).(92) Deutlicher noch ist jene Abweichung, bei der das (topische) Erröten anlässlich der ersten Begegnung einmal Siegfried (B) und einmal Kriemhild (E) zugeschrieben wird: do erzvnde sich sin [E: ir] varwe (292,2). Eine für den höfischen Kontext typische Beratungsszene(93) findet sich in der nur in Fragment E – wie in Hs. C – überlieferten Zusatzstrophe (272a), in der sich König Gunther mit den Höflingen über die angemessene Etikette anlässlich des an Pfingsten auszurichtenden Hoffestes verständigt.

Beratungsszenen spielen auch im überlieferten Text des zweiten in das Umfeld des St. Galler Codex gehörenden Bruchstücks eine Rolle. Das von Buchdeckeln abgelöste Fragment Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 13070 (›Parzival‹-Handschrift a bzw. ›Parzival‹-Fragment 1)(94) wurde 1849 durch die damalige Hofbibliothek vom Wiener Antiquar Kuppitsch erworben. Es handelt sich um zwei ebenfalls beschnittene Pergamentblätter, die aus verschiedenen Lagen stammen. Das erhaltene Format beträgt 23,4 x 16,8 (bzw. 17,4) cm (ursprünglich wohl 25–26 x 18 cm), der Schriftspiegel misst 21 x 14,1 cm. Einzelne Buchstaben am Zeilenanfang und -ende von Bl. 1ra und 2vb sind von einem Einbandfalz verdeckt.

Der Text ist in zwei Spalten zu je 42 Versen eingetragen, die Verse sind nicht abgesetzt, aber durch Reimpunkte getrennt. Offensichtlich kommt bei der mit Tinte vorgenommenen Spalteneinteilung dasselbe Verfahren wie im St. Galler Codex zur Anwendung. Abschnitte werden durch rote Lombarden gekennzeichnet, innerhalb der Abschnitte sind einzelne Verse durch rubrizierte und teilweise herausgerückte Majuskeln markiert. Auch die Namen sind rot gestrichelt. Es begegnen dieselben Abbreviaturen wie im Berliner Fragment, ferner die Abkürzung ri.

Auffällig sind mehrere durch den Schreiber ausgeführte Korrekturen und Nachträge am Rand (letztere gingen durch die Beschneidung der Blätter teilweise verloren). Im Leerraum zwischen den Spalten auf Bl. 2r ist von einer Hand des 15. Jahrhunderts der Beginn des Psalmverses 29,10 (Zählung der Vulgata) als Federprobe eingetragen: Que vtilitas in sangwine ps 29 7 4 V. Die Notiz könnte aus der Zeit der Makulierung der Handschrift stammen.

Das Fragment gehört wie der St. Galler Codex zur *D-Klasse der Überlieferung. Es beinhaltet die ›Parzival‹-Abschnitte 421,6 bis 429,5 (aus Buch VIII) und 636,22 bis 644,26 (aus Buch XIII).

Der erste der beiden Abschnitte beginnt mit einer Beratungsszene am Hof des Königs Vergulaht. Der Text setzt unmittelbar nach dem berühmten Verweis auf Rumolts Rat im ›Nibelungenlied‹ ein, der Anhaltspunkte für eine Datierung des letzteren liefert. In einem vor Vergulaht ausgetragenen Wortwechsel mit dem Landgrafen Kingrimursel vertritt der Herzog Liddamus den Standpunkt einer berechnenden, ja opportunistischen Fürstenpolitik, die selbst den Vorwurf der Feigheit nicht scheut. Er beruft sich dabei auf den Küchenmeister Rumolt, der den Burgunden rät, lieber zuhause ein angenehmes Leben zu genießen, als sich der gefährlichen Einladung an den Hunnenhof auszusetzen. Da der Abschnitt des ›Parzival‹ bald nach 1203 entstanden sein dürfte (Erwähnung der 1203 zerstörten Weingärten von Erfurt in Buch VII), hat man hieraus einen Terminus ante quem für das ›Nibelungenlied‹ abgeleitet. Wolfram spitzt Rumolts Rat zum Wohlleben auf das Küchenrezept einer leckeren Speise zu (lange sniten bæn/ und inme kezzel umbe dræn; 420,29f.). Er könnte mit dieser ‚Spezialität‘ auf den Wortlaut einer Zusatzstrophe der ›Nibelungenlied‹-Fassung *C (1497,3: sieden in öl gebrouwen) reagiert haben, sofern diese nicht ihrerseits eine Reaktion auf Wolframs groteske Übersteigerung von Rumolts Rat darstellt.(95)

Am Anfang des Wiener Fragments stehen Teile der Replik des Landgrafen Kingrimursel auf Liddamus: [ir ... sprecht, ir tæt als riet] ein choch./ den chvͤnen Nibelvngen (421,6f.; Bl. 1r). Der daran anschließende Disput zwischen beiden Kontrahenten wird alsbald von König Vergulaht beendet, an dessen Hof in Schampfanzun sich die Auseinandersetzung abspielt. Antikonie, die schöne Schwester des Königs, bewirtet Kingrimursel und den von ihr heftig geliebten Gawan, der mit seiner Ankunft im Land Ascalun für Unruhe gesorgt und damit auch die Diskussion mit dem zu Hilfe geeilten Kingrimursel ausgelöst hat. Dieser hatte Gawan freies Geleit versprochen und sah sich deshalb genötigt, gegen seinen König für Gawan Partei zu ergreifen. Die Sympathien des Erzählers stehen dabei auf Seiten des Kingrimursel, nicht auf Seiten des Königs.

Bei Tisch erzählt König Vergulaht, dass er kürzlich von einem fremden Ritter (Parzival) besiegt und zur Gralsuche verpflichtet worden sei. Auf Anraten des Liddamus wird diese Pflicht nun Gawan übertragen.

Innerhalb dieses Handlungsrahmens setzt der Text des Wiener Fragments (Hs. a) trotz deutlicher Nähe zur Fassung *D durchaus eigene Akzente gegenüber dem Wortlaut des St. Galler Codex (Hs. D). So wird Vergulahts Rolle als König in Hs. a mitunter zu jener eines landes herrn abgeändert (424,8), während sich bei Antikonie eine geringfügig höhere Frequenz in der Vergabe des monarchischen Titels abzeichnet (kvneginne, kvnegin; 423,27 und 427,7; dafür in D der Name bzw. der allgemeinere Titel froͮn).(96) Ihre verwandtschaftliche Beziehung zu Kingrimursel wird in a gegenüber D abgeschwächt (D: ir vetern svn in 422,21 und 426,24, in a nur in 426,24, stattdessen Betonung von Kingrimursels lantgraven-Rolle in 422,21). Die Gawan auferlegte Gralsuche, die in D mit gvͦten triwen (einer gegenseitigen Treueverpflichtung) zu erfolgen hat, gerät in a zu einer Suche mit gvͦtem willen (428,22). Doch soll der hier als Herr (her) bezeichnete Gawan (428,24) vorscen nach dem Grale (‚nach dem Gral suchen‘, ja ‚fragen‘), was der späteren Bestimmung des Haupthelden Parzival sehr viel näher kommt als das in D und den sonstigen Handschriften erwähnte strîten nach dem Grale (428,26). Dass der Gral gerade nicht (durch Kämpfe) ‚erstritten‘, sondern nur durch göttliche Bestimmung erworben werden kann, wird später deutlich (vgl. 786,5–7, 798,25f.).

Die angeführten Beispiele aus dem ersten Abschnitt zeigen, dass es sich bei den Varianten der Handschriften a und D oft nur um Nuancen handelt, die dem Text gleichwohl ein anderes Gepräge verleihen. Oft sind es veränderte Namengebungen wie her, kvnegin, ir vetern svn, welche die Personen unter verändertem Licht erscheinen lassen. Hierbei sind auch Sprachwechsel möglich, so etwa im zweiten Abschnitt mit der Verdeutschung von Gawans überlieferungsgeschichtlich breit bezeugtem Beinamen fil li roy Lot (D: fillv roy lot) zu svn des kvnec Lôt in a (644,3). Möglicherweise stehen sprachsoziologische Gründe (etwa ein Publikum, das kein Französisch verstand) hinter dieser Maßnahme.


Die Varianz der Handschriften a und D führt einmal mehr die Bewegungen vor Augen, die charakteristisch für jene Produktionsbedingungen zu sein scheinen, unter denen der St. Galler Codex entstanden ist. Beweglichkeit zeichnet die Textherstellung aus, bei der sich unterschiedlich stark voneinander abweichende Fassungen offenbar in ein und demselben Skriptorium begegnen konnten (Nähe von a und D beim ›Parzival‹, zwei Redaktionen wie B und das zu *C gehörige Fragment E beim ›Nibelungenlied‹).(97) Beweglichkeit ist aber auch für die Entstehungsräume charakteristisch, die sich besonders in der wohl außerhalb des Skriptoriums und in unterschiedlichen Malwerkstätten vorgenommenen Illuminationstechnik abzeichnen: Der St. Galler Codex steht hier einer in Norditalien lokalisierbaren Malschule nahe, während das ›Nibelungenlied‹-Fragment aus Berlin seinerseits Verwandtschaft mit dem Initialstil der Donaueschinger Handschrift zeigt. Lokalisierungsversuche erscheinen unter solchen Bedingungen von vornherein problematisch. Beweglichkeit ist schließlich auch eines jener Merkmale, das sich in der Zusammenstellung der Texte des St. Galler Codex kundtut. Die einzelnen ‚Booklets‘ lassen untereinander gewisse, möglicherweise bereits früh vorgenommene Zuordnungen erkennen und verweigern sich doch einer klar festlegbaren Programmatik. Es mag sein, dass die vielfältigen Eigenarten des St. Galler Codex auf wenig mehr als diesen Nenner zu bringen sind. Die beweglichen Texte, Herstellungsverfahren und Programmteile der Epenhandschrift hinterlassen Fragen, deren Faszinationskraft sich auch eine im Wandel ihrer eigenen medialen Bedingungen befindliche Gegenwart schwerlich zu entziehen vermag.




Glossar

(erstellt von Robert Schöller)


Abbreviatur:
Abkürzung eines Wortes unter Verwendung verschiedener Kürzungszeichen.


Akanthusblätter:
An der gezackten Form von Akanthus-Arten orientiertes Blattornament (ohne Stiel).


Akut:
Schräg nach rechts oben gerichteter Akzent, der in deutschsprachigen Handschriften über Vokale (z.B. í) gesetzt wird. Dem A. kommt manchmal die Funktion des Zirkumflexes (s.d.) zu. Doch ist die Funktion nicht immer eindeutig zu bestimmen.


Aventiure:
1. Hier: Erzählabschnitt (‚Kapitel‘) in der Heldenepik.
2. Im höfischen Roman Ausfahrt des Ritters, auf der Bewährungsproben zu bestehen sind.
3. In einigen Fällen (z.B. im ›Parzival‹) bezeichnet A. auch den ganzen Roman.


‚Belebte‘ Initiale:
Die Initiale ist durch Menschen oder Tiere ‚belebt‘, d.h. der Initialkörper umschließt die Abbildung menschlicher oder nichtmenschlicher Wesen.


Diphthong:
Doppelvokal (z.B. uo in guot), der im Mittelhochdeutschen (etwa auch in lieb) als solcher auszusprechen ist.


Fleuronnée:
Ein den Initialkörper verzierendes, im weitesten Sinne an Pflanzenformen orientiertes Ornament.


Foliierung:
Blattzählung in einer Handschrift mit Berücksichtigung der Recto- und Versoseiten (s.d.; z.B. 1r/1v).


Haarstrich:
Zart ausgeführter Teil des Buchstabenkörpers im Unterschied zum voluminöseren Grundstrich. Der Aufbau eines Buchstabens aus Haar- und Grundstrichen ist auf die Beschaffenheit der Schreibfeder (Spachtelform) zurückzuführen.


Initiale:
Durch Farbgebung, Größe, Verzierung etc. hervorgehobener Anfangsbuchstabe.


Lage:
Besteht aus mindestens einem, in der Regel aus mehreren Doppelblättern. Eine Handschrift setzt sich aus mehreren ineinander gelegten Lagen zusammen. Oft werden die L.en zur Erleichterung des korrekten Zusammenbindens eigens gekennzeichnet.


Majuskel:
Großbuchstabe.


Makulierung:
Zerstörung einer Handschrift, um Material z.B. zur Stärkung des Buchrückens oder für Vorsatzblätter eines neuen Codex zu gewinnen. Diese Praxis erklärt die Existenz zahlreicher Fragmente auch innerhalb der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters.


Minuskel:
Kleinbuchstabe.


Paginierung:
Seitenzählung in einer Handschrift.


Palmette:
Mehrgliedriges, an der Gestalt des Palmenblattes orientiertes Blattornament. Es existieren zahlreiche Untergruppierungen, die kaum noch Ähnlichkeit mit Palmenblättern aufweisen.


Rectoseite:
Vorderseite eines Blattes bei Foliierung (z.B. 1r).


Terminus ante quem:
Zeitpunkt, vor dem ein Werk entstanden sein muss.


Unziale:
Seit dem 4. Jahrhundert nachweisbare Majuskel-Schrift (s.d.), die nach dem 8. Jahrhundert hauptsächlich als Zierschrift zur Hervorhebung einzelner Buchstaben, Wörter oder Verse verwendet wird.


Versalien:
Nach links herausgerückte und dadurch hervorgehobene Buchstaben.


Versoseite:
Rückseite eines Blattes bei Foliierung (z.B. 1v).


Zirkumflex:
Längenzeichen über Vokalen (z.B. ô). Der mit einem Z. markierte Vokal ist lang auszusprechen.



Literatur zur Einführung:

Jakobi-Mirwald, Christine: Buchmalerei. Ihre Terminologie in der Kunstgeschichte, (vollständig überarbeitete und erweiterte Neuauflage) Berlin 1997

Schneider, Karin: Paläographie und Handschriftenkunde für Germanisten. Eine Einführung, 3., durchgesehene Auflage, Berlin/ Boston 2014 (Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte B. Ergänzungsreihe 8)




Literaturverzeichnis

Aufgenommen sind Titel, die in der Einführung erwähnt werden, ferner einige weitere Werke (v.a. Textausgaben), die im Zusammenhang mit der Handschrift von Interesse sind.

I. Quellen

Der Breslauer Psalter. MS 36-1950. Cambridge, The Fitzwilliam Museum, Bd. 1: Faksimile; Bd. 2: Kommentar zur Faksimile-Edition. Mit Beiträgen von Stella Panayotova, Nigel J. Morgan und Paola Ricciardi (Übersetzung aus dem Englischen von Brigitte Klein), S. 3 – 130; Commentary to the Facsimile Edition. With Contributions by Stella Panayotova, Nigel J. Morgan und Paola Ricciardi, S. 195 – 310, Luzern 2018

L’Epistolario miniato di Giovanni da Gaibana, Bd. 1: Faksimile; Bd. 2: Kommentar, hg. v. Claudio Bellinati/ Sergio Bettini, 2 Bde., Vicenza 1968

Frauenlob (Heinrich von Meissen), Leichs, Sangsprüche, Lieder, auf Grund der Vorarbeiten von Helmuth Thomas hg. v. Karl Stackmann u. Karl Bertau, Teil 1: Einleitungen, Texte, Teil 2: Apparate, Erläuterungen, Göttingen 1981 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, phil.- hist. Kl., 3. Folge, Nr. 119/120)

Die Sprüche Friedrichs von Sonnenburg, hg. v. Achim Masser, Tübingen 1979 (Altdeutsche Textbibliothek 86)

Gesammtabenteuer, Bd. 3, hg. v. Friedrich Heinrich von der Hagen, Stuttgart/Tübingen 1850

Diu Klage mit den Lesarten sämmtlicher Handschriften, hg. v. Karl Bartsch, Leipzig 1875

Die Klage mit vollständigem kritischem Apparat und ausführlicher Einleitung, unter Benutzung der von Fr[iedrich] Zarncke gesammelten Abschriften und Collationen hg. v. Anton Edzardi, Hannover 1875

Konrad von Fußesbrunnen, Die Kindheit Jesu, kritische Ausgabe von Hans Fromm und Klaus Grubmüller, Berlin/ New York 1973

Konrad von Heimesfurt, ›Unser vrouwen hinvart‹ und ›Diu urstende‹, mit Verwendung der Vorarbeiten von Werner Fechter hg. v. Kurt Gärtner/ Werner J. Hoffmann, Tübingen 1989 (Altdeutsche Textbibliothek 99)

The Lament of the Nibelungen (Dív Chlage), translated and with Introduction by Winder McConnell, Columbia 1994 (Studies in German Literature, Linguistics and Culture, Translations from Medieval Literature)

Die ›Nibelungenklage‹. Synoptische Ausgabe aller vier Fassungen, hg. v. Joachim Bumke, Berlin/ New York 1999

Die ›Nibelungenklage‹. Mittelhochdeutscher Text nach der Ausgabe von Karl Bartsch, Einführung, neuhochdeutsche Übersetzung und Kommentar von Elisabeth Lienert, Paderborn 2000 (Schöninghs mediävistische Editionen 5)

Der Nibelungen Lied, hg. durch Friedrich Heinrich von der Hagen, Berlin 1807

Der Nibelungen Lied in der Ursprache mit den Lesarten der verschiedenen Handschriften, hg. durch Friedrich Heinrich von der Hagen zu Vorlesungen, Berlin 1810

Der Nibelungen Lied, zum erstenmal in der ältesten Gestalt aus der St. Galler Handschrift mit Vergleichung der übrigen Handschriften hg. durch Friedrich Heinrich von der Hagen, zweite mit einem vollständigen Wörterbuche vermehrte Auflage, Breslau 1816

Der Nibelungen Noth, zum erstenmal in der ältesten Gestalt aus der St. Galler Urschrift mit den Lesarten aller übrigen Handschriften hg. durch Friedrich Heinrich von der Hagen, dritte berichtigte, mit Einleitung und Wörterbuch vermehrte Auflage, Breslau 1820

Der Nibelunge Noth und die Klage, nach der ältesten Überlieferung mit Bezeichnung des Unechten und mit den Abweichungen der gemeinen Lesart hg. v. Karl Lachmann, zweite Ausgabe, Berlin 1841

Der Nibelunge nôt. Mit den Abweichungen von Der Nibelunge liet, den Lesarten sämmtlicher Handschriften und einem Wörterbuche hg. v. Karl Bartsch, 3 Bde., Leipzig 1870–1880

Das Nibelungenlied in der ältesten Gestalt mit den Veränderungen des gemeinen Textes, hg. mit einem Wörterbuch versehen von Adolf Holtzmann, Stuttgart 1857

Das Nibelungenlied, hg. v. Karl Bartsch, Leipzig 1866 (Deutsche Classiker des Mittelalters 3)

Das Nibelungenlied, nach der Ausgabe von Karl Bartsch hg. v. Helmut de Boor, 22. revidierte und von Roswitha Wisniewski ergänzte Auflage, Wiesbaden 1996 (Deutsche Klassiker des Mittelalters)

Das Nibelungenlied. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 2003 (Universalbibliothek 644)

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Das Nibelungenlied und die Klage. Handschrift B (Cod. Sangall. 857), hg. v. Johannes Duft, Köln/ Graz 1962 (Deutsche Texte in Handschriften 1)

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[Stricker] Karl der Große von dem Stricker, hg. v. Karl Bartsch, Quedlinburg/ Leipzig 1857 (Bibliothek der gesammten deutschen Nationalliteratur von der ältesten bis auf die neuere Zeit 35), Nachdruck mit einem Nachwort von Dieter Kartschoke, Berlin 1965 (Deutsche Neudrucke)

Strickers Karl der Große, hg. v. Johannes Singer, Berlin/ Boston 2016 (Deutsche Texte des Mittelalters 96)

[Wolfram von Eschenbach] Parcival. Ein Ritter-Gedicht aus dem dreizehnten Iahrhundert von Wolfram von Eschilbach. Zum zweiten Male aus der Handschrift abgedruckt, weil der erste Anno 1477 gemachte Abdruck so selten wie Manuscript ist, [hg. v. Christoph Heinrich Myller (Müller), Berlin] 1784 (Sammlung Deutscher Gedichte aus dem XII. XIII. und XIV. Iahrhundert, Bd. 1, Abt. 4, S. 1 – 196)

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Wolfram von Eschenbach, ›Parzival‹. Lachmanns Buch III. Abbildung und Transkription der Leithandschriften D und G, hg. v. Jürgen Kühnel, Göppingen 1971 (Litterae 4)

Wolfram von Eschenbach, ›Parzival‹. Abbildungen und Transkriptionen zur gesamten handschriftlichen Überlieferung des Prologs, hg. v. Uta Ulzen, Göppingen 1974 (Litterae 34)

Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift D). Abbildung des ›Parzival‹-Teils von Codex St. Gallen 857 sowie des (heutigen) Berliner Fragments L (mgf 1021) der ›Kindheit Jesu‹ Konrads von Fußesbrunnen aus dem St. Galler Codex, hg. v. Bernd Schirok, Göppingen 1989 (Litterae 110)

Wolfram von Eschenbach, Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, 2 Bde., Frankfurt am Main 1994 (Bibliothek des Mittelalters 8,1/2 [Bibliothek deutscher Klassiker 110])

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Wolfram von Eschenbach, Parzival, hg. v. Hermann Reichert, Bd. 1: Text, Bd. 2: Untersuchungen, Wien 2019

Wolfram von Eschenbach, Parzival. Translated by Cyril Edwards with Titurel and the Love-Lyrics and with an essay on the Munich Parzival illustrations by Julia Walworth, Woodbridge/Rochester (NY) 2004 (Arthurian Studies 56)

Wolfram von Eschenbach, Parzival. Auf der Grundlage der Handschrift D hg. v. Joachim Bumke, Tübingen 2008 (Altdeutsche Textbibliothek 119)

Wolfram von Eschenbach, Willehalm, nach der gesamten Überlieferung kritisch hg. v. Werner Schröder, Berlin/ New York 1978

Wolfram von Eschenbach, Willehalm. Nach der Handschrift 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen, hg. v. Joachim Heinzle, Tübingen 1994 (Altdeutsche Textbibliothek 108)

Wolfram von Eschenbach: Willehalm, nach der Handschrift 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen. Mittelhochdeutscher Text, Übersetzung, Kommentar, hg. v. Joachim Heinzle, mit den Miniaturen aus der Wolfenbütteler Handschrift und einem Aufsatz von Peter und Dorothea Diemer, Frankfurt am Main 1991 (Bibliothek des Mittelalters 9 [Bibliothek deutscher Klassiker 69]).

Wolfram von Eschenbach, Willehalm. Abbildung des ›Willehalm‹-Teils von Codex St. Gallen 857 mit einem Beitrag zu neueren Forschungen zum Sangallensis und zum Verkaufskatalog von 1767, hg. v. Bernd Schirok, Göppingen 2000 (Litterae 119)

Wolfram von Eschenbach, Willehalm, Text der Ausgabe von Werner Schröder, Vorwort, Übersetzung und Register von Dieter Kartschoke, dritte durchgesehene Auflage, Berlin/ New York 2003

Wolfram von Eschenbach, Willehalm, Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, nach dem kritischen Text von Werner Schröder ins Neuhochdeutsche übersetzt, kommentiert und herausgegeben von Horst Brunner, Ditzingen 2018 (Universalbibliothek 19462)

 

II. Forschungsliteratur

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Anmerkungen

(1) Vgl. hierzu und zum Folgenden Redeker (1989), S. 29f., 39; Duft, Nibelungen-Handschrift (1990), S. 152–157 (der Beitrag von Duft stellt die Zusammenführung zweier älterer Beiträge [1979 und 1987] dar, die hier und im Folgenden nicht weiter berücksichtigt werden); Schöller/Viehhauser (2013), S. 691–694. Dass die Handschrift vor Tschudis Kauf in den Schlössern Werdenberg oder Hohenems (beide im Rheintal) aufbewahrt worden sein könnte, bleibt Spekulation; vgl. Schirok (1989), S. XXXf. [zurück]

(2) Zu den Angaben des Verkaufskatalogs ausführlich Schirok, Einführung (2000), S. XVI-XL (Zitat S. XVI). [zurück]

(3) Zitiert nach Duft, Nibelungen-Handschrift (1990), S. 154. Zum Ankauf des Nachlasses durch Fürstabt Angehrn auch Duft, Tschudi-Handschriften (1990), bes. S. 166f.; Ochsenbein/Schmuki (1991), S. 19–23. [zurück]

(4) So der Titel des Beitrags von Schirok (1987); vgl. auch ders. (1988). An der Aufdeckung des ‚Falls‘ beteiligten sich ferner Ochsenbein (1988) und (1992, 22000), Redeker (1989) und (1990) sowie Klein (1994). Zusammenfassend zur „Separierung des Schlussteils: ‚Tat‘, ‚Tatzeit‘, ‚Täter‘, ‚Tatumstände‘“ jetzt Schirok, Einführung (2000), S. X-XII; ferner Hoffmann (2000), S. 348–351. Vgl. zur zweiten Ausleihe des Codex nach Zürich auch die ältere, grundlegende Darstellung von Crueger (1884), S. 47–63. [zurück]

(5) Das „Fragment von Maria“ ist dokumentiert in einem Brief von 1778 und in einer Veröffentlichung von 1779. Vgl. Crueger (1884), S. 12, und Bodmer (1779), S. 15. Von den „fünf Blättern“ zeugen Notizen in Bodmers Nachlass, Zentralbibliothek Zürich, Ms. Bodmer 29.3.1 (S. 23) und 34a.65 (S. 3). Dazu ausführlich Schirok (1988), S. 225, und Schirok, Einführung (2000), S. X. [zurück]

(6) Zitiert bei Crueger (1884), S. 47f. [zurück]

(7) Vgl. [Wolfram von Eschenbach] Parcival (hg. v. Myller [Müller] 1784). Dazu Neumann (1952, 21966); zur Entstehung der ‚Sammlung‘ Crueger (1884), S. 64–102. [zurück]

(8) Aus einem Brief vom 8.11.1780, abgedruckt in der Zeitschrift ›Deutsches Museum‹ 1781, Bd. 1, S. 287. Vgl. auch Crueger (1884), S. 62f. [zurück]

(9) So Schirok, Einführung (2000), S. XI. [zurück]

(10) Von der Hagen (1818–1821), Bd. 1, S. 146. [zurück]

(11) Ebd., S. 158f. [zurück]

(12) Ebd., S. 177. [zurück]

(13) Vgl. Ochsenbein (1992, 22000), S. 346, 348. [zurück]

(14) Gesammtabenteuer (hg. v. von der Hagen), Bd. 3 (1850), S. 790 (Anm.). [zurück]

(15) Wolfram von Eschenbach (hg. v. Lachmann 1833), Vorrede S. XXXIV. [zurück]

(16) Ebd. [zurück]

(17) Schneider (1987), S. 136. [zurück]

(18) Vgl. Schirok (1987), S. 231f. [zurück]

(19) Redeker (1990), S. 171. [zurück]

(20) Vgl. Klein (1994). Zuvor hatte bereits P.J. Becker, Bibliothekar in der Handschriftenabteilung der Berliner Staatsbibliothek, darauf aufmerksam gemacht, dass das Bruchstück E dieselbe Akzessionsnummer (4748) wie das ›Kindheit Jesu‹-Fragment und weitere Bestandteile aus von der Hagens Nachlass trägt; vgl. Schirok (1988), S. 230, Anm. 36. Die Zugehörigkeit zum St. Galler Codex wurde darüber hinaus anlässlich der Neuausgabe von ›Unser vrouwen hinvart‹ nachdrücklich befürwortet; vgl. Konrad von Heimesfurt, ›Unser vrouwen hinvart‹ und ›Diu urstende‹ (hg. v. Gärtner/Hoffmann 1989), S. VIII, XXVI-XXVIII. Zum Karlsruher Fragment von ›Unser vrouwen hinvart‹ auch Hoffmann (2000), S. 347–367. [zurück]

(21) Vgl. Schirok, Vergebliche Spurensuche (2000). [zurück]

(22) Schirok, Einführung (2000), S. XXXII-XXXIV, mit Verweis auf zwei (nicht sehr verlässliche) Angaben des Katalogs von 1767: die Titelgebung „teutsche Reimen von der Menschwerdung und Geburt Christi“ und den Umfang von „14 Seiten“. Wie erwähnt, gab Bodmer 1769 für den Umfang des Schlussteils „fünf Blätter“ an; vgl. oben. Klein (1994), S. 83, vermutet dagegen, dass der Verlust der heute fehlenden Blätter bereits vor dem Kauf durch Tschudi eintrat, da die Handschrift (wie er meint) im 16. Jahrhundert, also etwa zur Zeit von Tschudis Erwerb, mit einem Einband versehen wurde, was darauf schließen lasse, dass ihr alter Einband schadhaft war oder dass sie vorher gar nicht gebunden und in Teilen defekt war. Vgl. zum Einband auch unten). [zurück]

(23) Schirok, Einführung (2000), S. XXXIV. [zurück]

(24) Vgl. Hoffmann (2000), S. 351f. [zurück]

(25) Schneider (1987), S. 142. [zurück]

(26) Ebd., S. 136. [zurück]

(27) Palmer (1992), S. 20f. Vgl. zu beiden Fragmenten auch Wolf (2008), S. 70f. [zurück]

(28) Vgl. zu den volkssprachigen Skriptorien allgemein Bumke (1987), S. 55–58. [zurück]

(29) Vgl. Obhof (2005), bes. S. 184. – Es handelt sich um einen Holzdeckelband mit Metallschließen und einer Heftung auf vier Doppelbünden. Der Überzug besteht aus vegetabil gegerbtem (braunem) Leder. Auf den Ober- und Unterkanten sowie den Deckeln befinden sich Buckelbeschläge. Die Dekorprägung des Vorder- und Hinterdeckels zeigt Linien und Stempel mit den für die Zeit typischen Rosetten, Rauten, Lilien und Schriftbändern. Für ihre Hilfe und Hinweise bei der Bestimmung des Einbands danke ich Frau Ulrike Bürger, Bern. [zurück]

(30) So Klein (1994), S. 87–89, im Anschluss an Palmer (1992), S. 19, der jedoch von einer frühen Bindung der ‚Booklets‘ (im Sinne von Faszikeln einer Sammelhandschrift) ausgeht. Bereits Lachmann nahm in der Vorrede seiner Wolfram-Ausgabe (1833) an, dass „die vier theile dieser handschrift nur durch den buchbinder vereinigt sind“ (S. XXXIV). [zurück]

(31) So Schirok (1998), bes. S. 120–123. [zurück]

(32) So Fromm (1995), bes. S. 186–188. Zur „Überlieferungsgemeinschaft der religiös erzählenden Werke mit höfischer Erzählliteratur“ auch Henkel (1996), S. 19, ferner Wolf (2008), S. 237, Anm. 360 (mit weiterer Literatur). [zurück]

(33) Vgl. Fromm (1995), S. 189. [zurück]

(34) Vgl. Schirok (1998), S. 115. [zurück]

(35) So ebenfalls Schirok (1998), S. 123–125. [zurück]

(36) Vgl. zum ›Willehalm‹ Schröder (1969), S. 389, und in seiner Willehalm-Ausgabe (1978), S. XXIII, mit Verweis auf die besonders prächtige Ausstattung durch Initialen und den Textbeginn auf der ersten Versoseite der Lage; ferner Gerhardt (2010), S. 73 (mit weiterer Literatur); zu ›Unser vrouwen hinvart‹ Hoffmann (2000), S. 364f., mit Betonung der Schluss-Signale (langgestrecktes Wort AMEN, Schreibervers, vgl. auch die Ausführungen in Kapitel 8). – Dazu kritisch (mit weiterer Literatur) Schöller/Viehhauser (2013), S. 694. [zurück]

(37) Als Möglichkeit erwähnt bei Palmer (1992), S. 19. [zurück]

(38) Den Forschungsstand verzeichnen Bumke (1996), S. 147–162; Schirok, Die Handschrift B (2003); Schirok, Handschriftenverzeichnis (2003), S. XXXIIIf.; Heinzle (2004); Schöller/Viehhauser (2013), S. 695–699; Wolfram von Eschenbach, Parzival (ed. Reichert 2019), Bd. 2, S. 18–22. Zu kodikologischen Aspekten vgl. Scherrer (1875), S. 291–294; Wallbank (1954), S. 9; Becker (1977), S. 78f.; Schirok (1982), S. 30f.; Redeker (1989), S. 3–5; Bumke (1996), S. 147f. Vgl. ferner Klein (2011 [2014]), S. 943, 974, die Angaben im Handschriftenverzeichnis des Berner Parzival-Projekts und im (Handschriftencensus (mit Link auf das von e-codices bereitgestellte Digitalisat). [zurück]

(39) Vgl. Bumke (1996), S. 147. [zurück]

(40) Vgl. zum Lagenaufbau Scherrer (1875), S. 294; Wallbank (1954), S. 6–8; Schröder (1969), S. 387f.; Redeker (1989), S. 4; Klein (1994), S. 81f.; Bumke (1996), S. 149; Schirok (1998), S. 118f.; Hoffmann (2000), S. 352. – Bei der im Folgenden genannten Lagenformel gilt es die oben erwähnten Unregelmäsigkeiten in der Seitenzählung mit zu berüücksichtigen. [zurück]

(41) Vgl. Hoffmann (2000), S. 352. [zurück]

(42) Vgl. Scherrer (1875), S. 294. Zur Fehlzählung Wallbank (1954), S. 7f.; Redeker (1989), S. 4. [zurück]

(43) Vgl. zu den Schreibern Wallbank (1954), S. 13f.; Schröder (1966), S. 30f. (Kurzgutachten von Franz Brunhölzl); Schröder (1969), S. 388f.; Redeker (1989), S. 11–14; Schirok (1989), S. XVII-XX; Schneider (1987), S. 133–139; Klein (1994), S. 84; Bumke (1996), S. 149f.; Wolf (2008), S. 132f.; Nellmann (2009); Müller (2011) und (2013); Heinzle (2013); Schöller/Viehhauser (2013), S. 699–707. [zurück]

(44) So Schröder (1969), S. 385; vgl. auch Wallbank (1954), S. 11 („chief copyist“). [zurück]

(45) Ob die vier Verse am Beginn von S. 455b und die 17 Verse am Ende von S. 691a/b tatsächlich von einer neuen Hand geschrieben sind, ist nicht ganz sicher. Wallbank (1954), der die vorliegende Zählung der Schreiber folgt, vermerkt die Hand (S. 14), während sie Schneider (1987), S. 134, dem fünften Schreiber zuschlägt (und deshalb insgesamt nur sechs Hände zählt). Vgl. auch Redeker (1989), S. 13; Schirok (1989), S. XVIIf.; Bumke (1996), S. 150. [zurück]

(46) Für Schröder (1969), S. 389f., ist die Abfolge der Hauptschreiber ein weiteres Indiz dafür, dass der von Schreiber III geschriebene ›Willehalm‹ ursprünglich am Beginn der Handschrift gestanden habe. Vgl. auch oben, Anm. 36. [zurück]

(47) Vgl. zur Linierung Wallbank (1954), S. 10–12; Palmer (1992), S. 22; Klein (1994), S. 84–86. [zurück]

(48) Ein sprechendes Beispiel bietet die 24. Lage mit den Seiten 420–435 (›Klage‹). Die Zeilenzahlen variieren hier zwischen den (jeweils durch Schrägstrich verbundenen) Seitenpaaren wie folgt: 53 – 52/52 – 47/47 – 47/47 – 45/45 – 47/47 – 46/46 – 50/50 – 53. Vgl. Klein (1994), S. 85, Anm. 28. [zurück]

(49) Vgl. zu beiden Techniken auch Schneider (1987), S. 74, 79. [zurück]

(50) Dass der Platz nicht ausreichte, geht vermutlich auf einen Linierungsfehler zurück. Der Schreiber V hat die 19. Lage des ›Nibelungenlieds‹ (S. 339–354) durchgehend mit etwa zehn Zeilen weniger als üblich (42 bis 44 statt 52 bis 54 Zeilen) beschrieben. Der wohl im Voraus berechnete Platz fehlte dann in der letzten Lage. Vgl. dazu auch Klein (1994), S. 86; Bumke (1996), S. 157. [zurück]

(51) Schröder (1969), S. 387, rekonstruiert hier: Das folgende, mit den Schlussversen beschriebene Blatt (Bl. 3 eines Binio) sei „der Pergamentgewinnung zum Opfer gefallen“; der für die Eliminierung verantwortliche Schreiber (VI) habe die Verse auf S. 691 nachgetragen. Schirok (1989), S. XX, geht hingegen davon aus, dass das Herausschneiden außerhalb des Skriptoriums erfolgte und der Schreiber darauf mit dem Nachtrag reagierte. [zurück]

(52) Dazu ausführlicher Schneider (1987), S. 134–138. [zurück]

(52a) So die Erwägungen von Müller (2011), bes. S. 165f., 169–175, und Müller (2013). [zurück]

(53) Dazu ausführlich de Boor (1972), der Schreiber V als B3 führt. [zurück]

(54) Vgl. Witte (1927), S. 327–357, zum ›Parzival‹; Wallbank (1954) zum ›Nibelungenlied‹; Bertsch (1957), S. 10–19 u. 204–207, zum ›Nibelungenlied‹, S. 43–54 u. S. 220–224, zum ›Parzival‹; Schröder in seiner ›Willehalm‹-Ausgabe (1978), S. LXVIII-LXXXII, zum ›Willehalm‹; Hoffmann (2000), S. 353–360, zur ›Kindheit Jesu‹ und zu ›Unser vrouwen hinvart‹; Gerhardt (2010), S. 71, zum ›Willehalm‹. Die ältere Forschung ist berücksichtigt in den grundlegenden Ausführungen von Schneider (1987), S. 138–142. Weiterführende Beobachtungen bei Palmer (1991), S. 219f., und (1992), S. 21. [zurück]

(55) Vgl. Schneider (1987), S. 140f. Der Befund wird bekräftigt durch Hoffmann (2000), S. 356–360, der nach Steer (1983), S. 25–31, auf den gegenüber Kärnten und der Steiermark weniger weit fortgeschrittenen Stand der Diphthongierung in Südtirol verweist. Vgl. zum Nachtrag der Strophen auch Holznagel (2001), S. 112. [zurück]

(56) Vgl. zu den alemannischen Merkmalen Palmer (1992), S. 21; Hoffmann (2000), S. 361, kann einige davon auch vereinzelt in Südtiroler Handschriften nachweisen. [zurück]

(57) So Heinzle in seiner Willehalm-Ausgabe (1994), S. XVIII. [zurück]

(58) Vgl. dazu auch Wallbank (1954), S. 19–21; Redeker (1989), S. 7, 14f. [zurück]

(59) U.a. bei Frauenlob; vgl. Frauenlob, Leichs, Sangsprüche, Lieder (hg. v. Stackmann/Bertau 1981), V,*4, v. 19f., S. 391: er komt und leistet din gebot,/ ein got vnd dri genende. Weitere Belege bei Hoffmann (2000), S. 365, Anm. 116. [zurück]

(60) Vgl. Witte (1927), S. 316; Palmer (1992), S. 24, Anm. 41. [zurück]

(61) Die Überschriften über dem ›Nibelungenlied‹ und wohl auch der ›Klage‹ stammen aus dem 19. Jahrhundert. Aufgrund des Schriftduktus kommen dafür am ehesten P. Ildefons von Arx (1755–1833) oder Stiftsbibliothekar Joseph Anton Henne (Amtszeit 1855–1861) infrage. Die Zuschreibungen von Duft, Nibelungenhandschrift (1990), S. 149, wären entsprechend zu korrigieren (Hinweis von Karl Schmuki). [zurück]

(62) Vgl. dazu Palmer (2005), S. 77. [zurück]

(63) Vgl. zum Initialschmuck Schröder (1969), bes. S. 391–395; Schanze (1970); Schirok (1972), S. 83f.; Bertau (1972/73), Bd. 2, S. 782–787; Palmer (1992), S. 21–27; Bumke (1996), S. 158–161; Bossetto (2015), S. 128–130, 151f. [zurück]

(64) Nach Palmer (1992), S. 25, bleibt offen, ob „Wolfram von Eschenbach oder Parzival dargestellt sein soll oder ob nicht einfach der Bezug zur Ritterkultur im allgemeinen angesprochen ist“. [zurück]

(65) Vgl. dazu Heinzle (1994), S. 110, der in der Figur ein Autorportrait vermutet, und Peters (2008), bes. S. 73f., 80f. (mit weiterer Literatur); Bastert (2018), S. 137–140, plädiert hingegen für einen Bezug auf die in der entsprechenden Strophe genannte Kriemhild. [zurück]

(65a) Bastert (2018), S. 333f., erwägt, dass es sich um Darstellungen der in den entsprechenden Strophen erwähnten Figuren Etzel, Iring von Dänemark und Dietrich von Bern handeln könnte. [zurück]

(66) Vgl. Hoffmann (2000), S. 352. [zurück]

(67) So ebd., S. 364f. [zurück]

(68) Vgl. Hänsel (1952) und Hänsel-Hacker (1954). Auf deren Beobachtungen aufbauend: Wallbank (1954), S. 16–18; Schneider (1987), S. 139f.; Redeker (1989), S. 44–47; Duft, Nibelungen-Handschrift (1990), S. 159–161; Palmer (1991), S. 221–223, und (1992), S. 27–31; Bumke (1996), S. 153f.; Mariani Canova u.a. (1999); Hoffmann (2000), S. 352; Schöller/Viehhauser (2013), S. 709–714; Bossetto (2015); Panayotova/Ricciardi (2018). [zurück]

(69) Faksimile: L’Epistolario miniato di Giovanni da Gaibana (hg. v. Bellinati/Bettini 1968). Vgl. auch Katterbach (1932); Bossetto (2015), S. 139f. [zurück]

(70) Vgl. Buberl (1911), S. 121–132 (mit zahlreichen Abbildungen); de Azeredo Perdigão (1969), S. 94; Huber (1973), S. 125f., 143; Bossetto (2015), S. 149f. [zurück]

(71) Vgl. Harrsen (1958), S. 45f.; Bossetto (2015), S. 152f. [zurück]

(72) Faksimile: Der Breslauer Psalter. MS 36-1950. Cambridge, The Fitzwilliam Museum, Bd. 1: Faksimile, Bd. 2: Kommentarband (hg. v. Stella Panayotova u.a. 2018). Vgl. auch Robinson (1988), Bd. 1, Nr. 208; Bossetto (2015), S. 146f. [zurück]

(73) Vgl. Fingernagel/Roland (1997), Textband: S. 57–64; Bossetto (2015), S. 150f. [zurück]

(74) Vgl. Watson (1984), Bd. 1, Nr. 280. [zurück]

(75) Vgl. Mariani Canova/Cattin (1981). [zurück]

(76) Vgl. Avalle (1961, 21993) und (1964); Rieger (1985); Huot (1987), S. 53–64; Meneghetti (1992), bes. S. 245–276; Burgwinkle (1999); Signorini (1999); Kendrick (2001). [zurück]

(77) Vgl. Heinzle (1994), S. 110f. (mit weiterer Literatur); Peters (2001), bes. S. 396-409 (mit weiterer Literatur in Anm. 30, 47, 55, 61); dies. (2003); Stolz (2005); Peters (2008), S. 73f. [zurück]

(78) Vgl. Harrsen/Boyce (1953), S. 9f.; Bossetto (2015), S. 141–143. [zurück]

(79) Vgl. Meliga (2001), S. 39–66. [zurück]

(80) Vgl. ebd., S. 127–153. [zurück]

(80a) Vgl. Antonelli u.a. (2016), S. 123–130. [zurück]

(81) Vgl. Lombardi/Careri (1998), S. 17–29. [zurück]

(82) Ähnlichkeiten lassen die Abbildungen bei Buberl (1911) erkennen: Zwiebelform der A-Initiale im Admonter Missale, Bl. 9r (Buberl, S. 123), und der A-Initiale am Beginn des ›Willehalm‹, S. 561. S-Initiale im Admonter Missale, Bl. 25r (Buberl, S. 124), und im St. Galler Codex, S. 43, 66, 114, 128, 166. Männliches Brustbild im Kreuz zwischen den Evangelistensymbolen, Admonter Missale, Bl. 116r (Buberl, S. 126), und Brustbilder im St. Galler Codex, S. 376, 393. Unzialbuchstaben im Admonter Missale, Bl. 115v (Buberl, Tafel XVI), und in der ‚belebten‘ Initiale des St. Galler Codex, Bl. 639 (Markgraf Willehalm). T-Initiale mit Pflanzen, Blattwerk und Unzialbuchstaben im Admonter Missale, Bl. 119r (Buberl, S. 127), und in der ›Willehalm‹-Initiale von S. 613. [zurück]

(83) Vgl. dazu Stolz (2005). [zurück]

(84) Weitere inzwischen bekannt gewordene Handschriften aus dem Umkreis der norditalienischen Malschule um Giovanni da Gaibana sind genannt bei Mariani Canova u.a. (1999). [zurück]

(85) Auch hier begegnet bei einer A-Initiale (Bl. 3v) die charakteristische, mit der Eingangsinitiale des ›Willehalm‹ (S. 561) übereinstimmende Zwiebelform. Vgl. die Abbildung bei Mariani Canova/Cattin (1981), S. 15. [zurück]

(86) Dafür plädiert nachdrücklich Duft, Nibelungen-Handschrift (1990), S. 161f. Dagegen versucht Schirok im Faksimile des ›Parzival‹ (1989), S. XXI-XXIX, anhand von Änderungen in der Vorgabetechnik (u.a. beim Spalteneinzug für die Initialen und bei den Satzbeginnmarkierungen durch Majuskeln) glaubhaft zu machen, dass die Schreiber auf mögliche Irritationen der Illuminatoren reagiert haben könnten. [zurück]

(87) Vgl. Hänsel-Hacker (1954), S. 119f.; befürwortend auch Duft, Nibelungen-Handschrift (1990), S. 161f. mit dem Hinweis auf Wandermaler im 13. Jahrhundert. [zurück]

(88) Vgl. Schneider (1987), S. 139f.; Hoffmann (2000), S. 356–360; Gerhardt (2010), S. 71; Schöller/Viehhauser (2013), S. 713f. [zurück]

(89) Vgl. Schneider (1987), S. 142. [zurück]

(90) Vgl. Palmer (1992), S. 31; Gerhardt (2010), S. 71 („‚um 1240‘, einschließlich +/-15 Jahre“); Schöller/Viehhauser (2013), S. 708–712 („Kompromissvorschlag ‚um die Mitte des 13. Jahrhunderts‘“, S. 712). [zurück]

(91) Vgl. Leichtlen (1820), S. 1–32 (mit Transkription); Das Nibelungenlied (hg. v. Holtzmann 1857), S. Vf. (Nachkollation); Könnecke (1901), mit Schwarz-Weiß-Faksimile; Abeling, Bd. 1 (1907), S. 166; Das Nibelungenlied (hg. v. Batts 1971), S. 803, Schwarz-Weiß-Faksimile auf S. 829–832; Lülfing/Teitge (1981), S. 131; Schneider (1987), S. 136; Palmer (1991), S. 222, Anm. 18, und (1992), S. 20f.; Bumke (1996), S. 154–156; Becker/Overgaauw (2003), S. 43; Wolf (2008), S. 70f. Die von Nellmann (2009) vorgebrachten Zweifel an der Identität des Schreibers mit Schreiber IV des Codex 857 werden entkräftet von Müller (2011), S. 162–164, und Heinzle (2013), S. 2–6. Vgl. ferner den Eintrag im Marburger Repertorium: http://www.mr1314.de/1063. [zurück]

(92) Dies entspricht dem eher intellektuellen und moralischen Charakter der Fassung *C. Vgl. Hoffmann (1992), S. 85f.; Heinzle (1994), S. 59f. [zurück]

(93) Vgl. Althoff (1990, 21997). [zurück]

(94) Vgl. Pfeiffer (1868), S. 39–44 (Transkription); Bonath (1970/71), Bd. 2, S. 42–45; Schirok (1982), S. 32; Bonath/Lomnitzer (1989), S. 93; Palmer (1992), S. 20; Bumke (1996), S. 154–165; Wolf (2008), S. 71; die Zweifel Nellmanns (2009) an der Identität des Schreibers mit Schreiber IV des Codex 857 entkräftend Heinzle (2013), S. 2–6. Vgl. ferner Klein (2011 [2014]), S. 946, und den Eintrag im Marburger Repertorium: http://www.mr1314.de/1026. [zurück]

(95) Vgl. den Kommentar in der Ausgabe von Nellmann (1994), Bd. 2, S. 653; Bumke (1996), S. 572–582; Hoffmann (2000), S. 137-141. [zurück]

(96) Die Stelle 427,7 begegnet im Rahmen eines Frauenpreises, der – passend zu der aufkeimenden Minne zwischen Gawan und Antikonie – Reminiszenzen des Minnesangs aufweist. Entsprechend bieten die übrigen Handschriften hier Varianten wie die reine(n), die maget, die schonen, die werdin. Vgl. den Apparat in der Ausgabe von Schirok (1998), S. 431, Bonath (1970/71), Bd. 2, S. 45 (mit der plausiblen Konjektur des französischen Königinnentitels roin aus reine[n]) und die Verssynopse des Parzival-Projekts. [zurück]

(97) Wolf (2008), S. 299, spricht in diesem Zusammenhang vom Typus eines ‚fürsorglichen Skriptoriums‘, in dem „sowohl identische, gleichsam autorisierte, überwachte und durchkorrigierte Kopien als auch stark veränderte, verbesserte, neu gestaltete (Parallel-)Fassungen“ hergestellt werden konnten; speziell zum St. Galler Codex ebd., S. 304. [zurück]